EU-Hilfe für Telekoms in der UMTS-Kostenfalle
Wegen Milliardenschulden und schwerer Kurseinbrüche bei Telekom-Aktien dringt die Europäische Kommission nach einem Bericht der "Financial Times" auf Erleichterungen für die Betreiber der neuen UMTS-Mobilfunknetze.
Wie die Zeitung heute berichtet, schlägt Brüssel den Mitgliedsstaaten in einem Arbeitspapier vor, den Zeitraum für die Bezahlung der milliardenschweren Lizenzen zu strecken und den Unternehmen die Zusammenarbeit beim Netzaufbau zu erlauben.
Über die Vorschläge, die heute veröffentlicht werden sollen, wird nach dem Bericht Ende der Woche beim Stockholmer EU-Gipfel beraten.
Im Anschluss will Brüssel mit Mobilfunkfirmen, Telekomausrüstern und nationalen Wettbewerbsbehörden Gespräche führen, um dann endgültige Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten zu erarbeiten.
International haben Telekom-Konzerne nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich [BIZ] im Jahr 2000 zur Finanzierung von Lizenzen und Übernahmen allein ihre internationale Kreditaufnahme auf den Rekordwert von 273 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.
Überschuldete Telekoms und sorglose BankenAktienkurse unter Druck
Die europäische Telekom-Branche hat bisher rund 140 Milliarden Euro in die Lizenzen für die UMTS-Netze investiert, die von den EU-Mitgliedsstaaten vergeben wurden.
Allein in Deutschland zahlten sechs Firmen und Konsortien fast 100 Milliarden Mark [rund 700 Mrd. ATS]. Viele Unternehmen sind wegen der immensen Kosten hoch verschuldet.
Angesichts langer Anlaufzeiten und unsicherer Gewinnaussichten für den neuen Mobilfunkstandard sind Aktien von Telekomfirmen quer durch die Branche in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten.
Telekoms unterschätzen Kosten des NetzaufbausBranche fühlt vor
Mehrere in Deutschland ansässige Betreiber haben in den vergangenen Wochen bereits von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gefordert, beim Aufbau der Netze Kooperationen zuzulassen, um die Kosten zu drücken.
Die Bonner Behörde will entsprechende Vorschläge der Betreiber prüfen, will aber verhindern, dass der Wettbewerb durch die Zusammenarbeit in Mitleidenschaft gezogen wird.
Gemeinsamer Netzaufbau soll Milliarden sparen
