08.03.2001

DISKUSSION

Bildquelle: PhotoDisc

Datenschützer in der EU ohne Mitspracherecht

"Wir hoffen, dass jeder hier einen gleich aktiven Teil in diesem EU-Forum spielen wird", sagte EU-Kommissar Antonio Vitorino bei einem Hearing gestern in Brüssel.

EU-Polizei und Strafverfolger sollen dort ab Mai mit Vertretern der IT-Industrie und Konsumentengruppen über die Bekämpfung so genannter Cyber-Kriminalität diskutieren.

Beim Hearing am Mittwoch hatte das Bestreben der Kommission, einen "Ausgleich zwischen den Interessen von Polizei, Industrie und Bürgerrechtlern" herzustellen, allerdings ganz anders ausgesehen.

"Erschreckende Missachtung der Bürgerrechte"

Eine Koalition von 22 Organisationen der Global Internet Liberty Campaign [GILC] hatte dem geplanten Abkommen eine "erschreckende Missachtung der Bürgerrechte" bescheinigt.

Während es den Polizeibehörden erweiterte Befugnisse einräume, würden die Rechte des Einzelnen gefährdet. Das Abkommen nivelliere nicht nur den Rechtsschutz über Grenzen hinweg nach unten, sondern missachte dabei "elementare Prinzipien des Datenschutzes".

US-Wirtschaftskammer auch dagegen

Damit schloss sich die europäische Industrie der Argumentation der durch die Zugehörigkeit zu den so genannten G-7-Staaten gleichfalls betroffenen US-Unternehmen an.

So hatte die US-Wirtschaftskammer bereits im Herbst 2000 ihre Regierung aufgefordert, das Abkommen nicht zu unterzeichnen, da es die Interessen amerikanischer Unternehmen massiv gefährde.

Die EU und die Online-Demokratie

Parallel zum Hearing haben der schwedische Ministerpräsident Göran Persson als amtierender Ratspräsident der EU und EU-Kommissionschef Romano Prodi eine Internet-Debatte über die Zukunft der Europäischen Union eröffnet.