18.12.2005

MATRIX FORUM

Breitband für alle, aber nicht überall

Man muss nicht unbedingt auf einer Alm wohnen oder mitten im Wald, um von den Vorzügen eines breitbandigen Internet-Zugangs ausgeschlossen zu sein.

Meist sind nur wenige Kilometer entscheidend über Haben oder Nichthaben, wie zum Beispiel bei Regina Glaser, die in Breitenau im südlichen Niederösterreich wohnt.

Der Zugang zum Datenhighway ist dort nur etwa einen Kilometer entfernt, trotzdem war es bisher nicht möglich, ADSL-Anschlüsse in den Ort zu bekommen. In der Familie Glaser gibt es deshalb fast täglich Diskussionen mit den Kindern über die Online-Zeit, die wegen der hohen Kosten des Modem-Zugangs auf 30 Stunden im Monat beschränkt sind.

Investitionen zu hoch

Die Anbindung ländlicher Regionen an das Breitband zahlt sich für die Anbieter nur dann aus, wenn genügend potenzielle Kunden vorhanden sind und damit die Investitionen für die Aufrüstung der Anschlussleitungen rasch wieder hereingespielt werden können.

Wo die Anbindung aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll sei, müsse deshalb die öffentliche Hand einspringen, meint Helmut Leopold, Bereichsleiter Plattform- und Technologiemanagement der Telekom Austria [TA].

Streitpunkt Entbündelungsmiete

Kurt Einzinger, Generalsekretär der Internet Service Providers Austria, fordert ebenfalls, dass Österreich den Breitband-Ausbau mehr fördern müsse. Einige Studien und die Europäische Kommission würden belegen, dass Österreich gegenüber anderen Mitgliedsstaaten der EU beim Breitband-Ausbau zurückgefallen sei.

Kleinere Preise durch Überkapazität

Für jemanden, dem der Zugang zum Breitband verwehrt bleibt, könnte der Eindruck entstehen, dass Bandbreiten ein rares Gut sind. Tatsächlich besteht jedoch ein derartiges Überangebot, dass die Wiederverkäufer damit kaum noch Geld verdienen können.

Die TA betreibe ein optisches Hochleistungsnetz, bei dem auf einer einzelnen Glasfaser 320 Gigabit Daten pro Sekunde übertragen werden können, so Leopold.

Alle Telefonie-, Mobiltelefonie- und Internet-Kunden der TA würden zusammen aber nur einen Datenverkehr von 60 Gigabit pro Sekunde produzieren. Wenn man bedenke, dass die verlegten Kabel bis zu 48 Glasfasern enthielten und daneben oft noch zehn bis 15 Kabel anderer Betreiber liegen würden, verstehe man, warum der Wert eines Bits pro Sekunde verschwindend klein sei, meint Leopold.

Breitband-Internet selbst gemacht

Die Überkapazität gilt jedoch nur für Hauptverkehrsströme, also die Verbindungen zwischen Städten und größeren Orten. Wie auf der realen Autobahn staut es sich jedoch auf den Zufahrtsstraßen.

Was hilft es dem Selbstständigen auf dem entlegenen Bauernhof, wenn er über den Backbone zwischen zwei Landeshauptstädten fünf Fernsehstationen gleichzeitig beliefern könnte, über seinen Hausanschluss aber nicht einmal eine Anti-Viren-Software herunterladen kann? Die Alternative heißt: go wireless.

Der Verein Funkfeuer hat längst zur Selbsthilfe gegriffen. In Wien wurde vor zwei Jahren begonnen, ein freies WLAN-Netz aufzubauen, bei dem jeder Benützer zum Knoten für die Anbindung ans Breitband-Internet wird.

Zwischen Traum und Wirklichkeit

Mit Broschüren, Werbespots und großflächigen Plakaten wird in Österreich landauf landab für "schnelles Internet" geworben. Ein breitbandiger Internet-Anschluss ist bequem, schafft Zugang zu Informations-, Kommunikations-, Lern- und Arbeitsmöglichkeiten und bietet ländlichen Regionen mehr Entwicklungspotenzial.

Die Breitband-Austattung - so heißt es - sei auch einer der wichtigsten Standortfaktoren für die Zukunft Österreichs. Wer sich - dermaßen überzeugt - einen Breitband-Internetzugang zulegen möchte, kann jedoch auf eine Reihe von Schwierigkeiten stoßen. Denn abgesehen von den teilweise hohen Kosten gibt es das Breitband für alle nicht überall.