Dialer-Gauner erbeuteten 3,2 Mio. Euro
Zwei Männer, die Daten von Internetnutzern ausgespäht und unrechtmäßig Rechnungen für Erotik-Abonnements zugestellt haben sollen, müssen sich seit Freitag vor Gericht verantworten.
Vor Verhandlungsbeginn legten sie ein schriftliches Geständnis ab, wie der Staatsanwalt vor dem Amtsgericht Hamburg-St. Georg sagte. Die Männer aus Dänemark sollen mit ihren Machenschaften 3,2 Millionen Euro erbeutet haben - "sogar Priestern und Nonnen schickten sie Rechnungen für Erotik-Abonnements", wie die Deutsche Presseagentur berichet.
Die Angeklagten sollen von November 2003 bis Juni 2004 mit Hilfe so genannten Dialern, also automatischen Einwahlprogrammen, unbemerkt an die Daten der Nutzer gelangt sein.
45.000 "Kunden" haben bezahlt
"Es ging darum, möglichst viele Telefonnummern mit dem Datensatz
einer Person zu bekommen, an die man dann die Rechnung schicken
kann", sagte der Staatsanwalt. Die Männer hätten über mehrere Firmen
agiert, insgesamt seien rund 358.000 Rechnungen und Mahnschreiben
verschickt worden. Rund 45.000 Empfänger hätten bezahlt.
Beate Uhse leidet unter DialernRechnungs-Empfänger gingen zur Polizei
"Wenn man als Mann so eine Rechnung bekommt, ist man pikiert, will das seiner Frau nicht zeigen und keinen Ärger riskieren. Und dann haben viele das Geld überwiesen, um ihre Ruhe zu haben", sagte der Staatsanwalt.
Einige Rechnungs-Empfänger meldeten sich allerdings bei der Polizei. "Es waren Priester, Nonnen und auch viele Frauen dabei, die angeblich diese Erotik-Abonnements hatten, und da fragt man sich, lügen die alle", sagte der Staatsanwalt. So sei die Polizei auf den Betrug aufmerksam geworden.
Die beiden Männer hatten den Ermittlungen zufolge präparierte Werbebanner im Netz geschalten. Wer darauf geclickt habe, sei automatisch auf eine ebenfalls präparierte Erotik- oder auch Lifestyle-Seite weitergeleitet worden.
Dialer rief Festnetznummer an
Dadurch habe sich ein versteckt installiertes Einwahl-Programm
automatisch gestartet, mit dem der Nutzer - von ihm selbst unbemerkt
- bei der Festnetznummer einer Firma angerufen habe. Der Anruf sei
dort gespeichert worden und Grundlage für die komplette
Datenermittlung des Internet-Nutzers gewesen.
Dialer-Gang ergaunert 20 Millionen Euro
