30.09.2005

STANDARD

Österreich soll fit für IPv6 werden

Die nächste Generation des Internet-Protokolls steht vor der Tür: Seit Jahren sind die Standards festgelegt, doch die Umsetzung erfolgt nur schleppend.

Das soll sich bald ändern. Die EU erwartet von ihren Mitgliedsländern eine raschere Umsetzung, um das neue Protokoll [Internet Protocol version 6, kurz IPv6] einzusetzen.

Task Force vor einem Jahr gegründet

In Österreich wurde vor rund einem Jahr eine eigene Task Force gegründet, um die Einführung von IPv6 voranzutreiben. "Die Einführung von IPv6 ist einer von vielen Schritten, der hilft, den Wirtschaftsstandort Österreich durch eine erstklassige und für neue Technologien offene IKT-Infrastruktur abzusichern", meint Helmut Leopold, Präsident der IPv6 Task Force und Vorstand bei der Telekom Austria.

Die Migration auf IPv6 ist notwendig, da zwei Drittel aller Internet-Adressen schon jetzt in Gebrauch sind, der Bedarf aber in nächster Zeit auf Grund der zunehmenden Vernetzung von Unterhaltungselektronik und auch Haushaltsgeräten rasant weiter steigen wird.

IP: Protokoll aus den 70er Jahren

Das aus den 70er Jahren stammende IPv4, das derzeit die Basis des Internets bildet, ist theoretisch auf circa vier Mrd., praktisch auf 250 Mio. Adressen beschränkt. IPv6 erweitert die Adressenlänge und stellt 2 hoch 128 [vier Mrd. x vier Mrd. x vier Mrd. x vier Mrd.] Adressen bereit.

Darüber hinaus bietet IPv6 die Möglichkeit zur Verschlüsselung oder Priorisierung von Datenverkehr. Ausserdem ist dadurch, dass wirklich jedem einzelnen, noch so kleinen Gerät eine eigene Adresse zugewiesen kann, echtes Plug and Play möglich.

"Noch ist die dringende Notwendigkeit für den Endkunden nicht gegeben", räumt Leopold im Gespräch mit futurezone.ORF.at ein. "Doch wenn beispielsweise in den USA oder in China öffentliche Einrichtungen innerhalb kurzer Zeit zwingend auf IPv6 umgestellt werden, dürfen Europa und Österreich nicht ins Hintertreffen geraten".

Chinesischer Backbone mit IPv6

In China beispielsweise hat man die Notwendigkeit einer entsprechenden Vorbereitung erkannt und Ende 2004 einen Internet-Backbone, der vollständig auf dem neuen Internet-Protokoll der Version 6 [IPv6] basiert, freigeschalten.

Die so genannte "CERNET2"-Infrastruktur [China Education and Research Network] vernetzt 25 Universitäten in 20 Städten des Landes.

Infrastruktur der TA bereits IPv6-fit

In Österreich sind die Firmen teils mehr, teils weniger weitsichtig. Bei der Telekom Austria ist man beispielsweise stolz, intern die Infrastruktur bereits komplett auf IPv6 vorbereitet zu haben. Weltweit sind Router und andere Netzwerkgeräte meist IPv6-tauglich, auch alle wichtigen Betriebssysteme beherrschen den Standard bereits.

Die erste Initialzündung soll von Microsofts Windows Vista ausgehen, das Mitte 2006 auf den Markt kommt. "Bei Vista muss man nicht den IPv6-Standard händisch aktivieren, sondern im Gegenteil extra angeben, ob man noch den 'alten' IPv4-Standard verwenden will", so Leopold.

Bei der IPv6 Task Force in Österreich sieht man das Ziel der Bewusstseinsbildung erreicht. Für das nächste Jahr, so Leopold, wolle man sich auf den aktiven Rollout konzentrieren und bereits über Applikationen und Services, die auf IPv6 basieren, nachdenken. Spätestens bis 2010 soll der Umstieg komplett vollzogen sein.