China startet IPv6-basierten Backbone
In China wurde am Wochenende ein neuer Internet-Backbone, der vollständig auf dem neuen Internet-Protokoll der Version 6 [IPv6] basiert, freigeschalten.
Die so genannte "CERNET2"-Infrastruktur [China Education and Research Network] vernetzt 25 Universitäten in 20 Städten des Landes.
Die Bandbreite des Netzwerks liegt dabei zwischen 2,5 und zehn Gigabit pro Sekunde, die einzelnen angebundenen Unis erreichen ein bis zehn Gigabit pro Sekunde.
"Bei der Entwicklung der ersten Internet-Generation waren wir nur Zuseher, bei der nächsten Internet-Generation haben wir zu den führenden Nationen aufgeschlossen und nehmen eine Vorreiterrolle ein, die international beachtet und respektiert wird," so CERNET-Chef Wu Jianping.
Das China Education and Research Network besteht seit 1993 und ist das erste nationale Computernetzwerk Chinas für den Bereich Bildung und Forschung. Das CERNET-Projekt wurde von der chinesischen Regierung unterstützt. Die nächste Stufe ist das Hochgeschwindigkeitsnetz Cernet2, das nur IPv6-Adressen verwendet.
CERNET-Website40 Gigabit pro Sekunde Spitze
Bei einem Testlauf am 7. Dezember zwischen Peking and Tientsin wurde sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 40 Gigabit pro Sekunde erzielt. Schon bald sollen 100 Universitäten angebunden sein.
Für die asiatischen Länder ist die schnelle Einführung und Durchsetzung des IPv6 besonders wichtig, da sie bei der Aufteilung der IP-Adressen der aktuellen IPv4-Technologie grob benachteiligt wurden.
So halten die USA 74 Prozent der vier Milliarden verfügbaren Adressen, China hat für seine 80 Mio. Internet-Nutzer insgesamt sowviele IP-Adressen zur Verfügung wie die Universität von Kalifornien allein.
Österreich hat mit IPv4 in Summe etwa 800.000 IP-Adressen zu vergeben.
Die National Development Reform Commission [NDRC] hat daher 169 Millionen Dollar an Fördermittel für das IPv6-Netzwerk zur Verfügung gestellt. Auch die Universitäten und verschiedene Ministerien stellten weitere Geldmittel bereit.
Auch eigenes Protokoll IPv9 in Arbeit
Neben dem IPv6-Engagement bastelt China offenbar an einem
weiteren Internet-Protokoll, dem auf dem TUBA-Protokoll basierendem
IPv9. Offensichtlich überlegt man damit, die ständige Netzkontrolle
gleich auf Basis des Netzwerk-Layers auszuüben.
IPv9: Ein eigenes Internet-Protokoll für ChinaIPv6 auf Root-Servern freigeschaltet
Ende Juli dieses Jahres wurde IPv6 auf den 13 Root-Servern des Domain Name Systems [DNS] freigeschaltet.
In den kommenden 20 Jahren werden nun beide Internet-Protokolle parallel auf den Root-Servern eingesetzt, um sicherzustellen, dass bis zur Ausräumung sämtlicher Bugs keine Störungen auftreten.
Auch in Österreich bereitet eine IPv6-Task-Force die Migration auf das nächste Internet-Protokoll vor. Zunächst wird eine Road-Map für die Einführung in Österreich erstellt.
Österreich: IPv6 geht in die nächste Phase
