Ein eigenes Internet-Protokoll für China
Die Volksrepublik China plant, künftig ein eigenes Internetprotokoll einzusetzen.
Während der Rest der Welt sukzessive den Umstieg von IPv4 auf IPv6 plant, will China ein Protokoll einsetzen, das man selbst kontrollieren kann und gleichzeitig kompatibel zum Rest der Welt bleibt.
IPv4 ist der Standard, auf dem der Internet-Netzverkehr derzeit basiert. IPv6 ist bereits von allen größeren Betriebssystemen implementiert und soll zu einem unbestimmten Zeitpunkt der Nachfolgestandard werden. Grund für die Umrüstung ist vor allem eine drohende Internetadressen-Knappheit und die Möglichkeit, dem Netzverkehr Prioritäten zuzuweisen. Mit IPv6 soll theoretisch jeder Ampel und jedem Toaster eine IP-Adresse zugewiesen werden können.
IPv9 basiert auf "TUBA"
Chinas IPv9 - der Name war ursprünglich übrigens ein Aprilscherz
der Netzcommunity - basiert offensichtlich auf dem 1992
vorgeschlagenen und danach in Vergessenheit geratenen
TUBA-Protokoll, das ursprünglich in Rivalität mit IPv6 um den
Nachfolgestandard gestanden war. Nach chinesischer Darstellung wurde
IPv9 freilich von einem gewissen Xie Jianping erfunden.
Der RFC zu Tuba [IPv9]Im ersten Testlauf war die Implementierung des Standards offensichtlich erfolgreich. Die genauen Motive, einen eigenen Standard zu verwenden, sind unklar - anders als bei den bisherigen Vorstössen Chinas gibt es keine Lizenzgebühren zu umgehen. IPv4 und IPv6 sind internationale und vollkommen freie Standards.
Offensichtlich überlegt man aber in China, die ständige Netzkontrolle gleich auf Basis des Netzwerk-Layers auszuüben.
Routing ins IPv4- und IPv6-Netz
IPv9 basiert auf einem Zehn-Ziffern-System und soll künftig über
drei Root-Domainname-Server funktionieren. Eigene Gigabit-Router
sorgen für die Umleitung des IPv9-Verkehrs auf IPv4 und IPv6.
China mit eigenem 3G-StandardErste Testläufe in den Shanghai-Bezirken Changing und Jinshan sollen erfolgreich abgelaufen sein.
