05.07.2004

"IPV9"

Ein eigenes Internet-Protokoll für China

Die Volksrepublik China plant, künftig ein eigenes Internetprotokoll einzusetzen.

Während der Rest der Welt sukzessive den Umstieg von IPv4 auf IPv6 plant, will China ein Protokoll einsetzen, das man selbst kontrollieren kann und gleichzeitig kompatibel zum Rest der Welt bleibt.

IPv4 ist der Standard, auf dem der Internet-Netzverkehr derzeit basiert. IPv6 ist bereits von allen größeren Betriebssystemen implementiert und soll zu einem unbestimmten Zeitpunkt der Nachfolgestandard werden. Grund für die Umrüstung ist vor allem eine drohende Internetadressen-Knappheit und die Möglichkeit, dem Netzverkehr Prioritäten zuzuweisen. Mit IPv6 soll theoretisch jeder Ampel und jedem Toaster eine IP-Adresse zugewiesen werden können.

Im ersten Testlauf war die Implementierung des Standards offensichtlich erfolgreich. Die genauen Motive, einen eigenen Standard zu verwenden, sind unklar - anders als bei den bisherigen Vorstössen Chinas gibt es keine Lizenzgebühren zu umgehen. IPv4 und IPv6 sind internationale und vollkommen freie Standards.

Offensichtlich überlegt man aber in China, die ständige Netzkontrolle gleich auf Basis des Netzwerk-Layers auszuüben.

Erste Testläufe in den Shanghai-Bezirken Changing und Jinshan sollen erfolgreich abgelaufen sein.