NASA-Shuttle startet wieder am 13. Juli
"Wir sind startklar", so NASA-Direktor Michael Griffin. Alle Probleme, die zum Absturz der "Columbia" geführt hätten, seien behoben worden. "Ehrlich gesagt, ich glaube, das wird der problemloseste Flug, den wir je hatten." Ein Restrisiko bleibe aber immer bestehen: "Jeder Flug ist riskant."
An Bord der "Discovery" werden unter Kommandantin Eileen Collins insgesamt sieben Astronauten zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Sie bringen während des zwölftägigen Einsatzes 15 Tonnen Nachschub und Ersatzteile .
Bei einem der drei geplanten Weltraumspaziergänge soll das Gyroskop - ein Messgerät zum Nachweis der Achsendrehung der Erde - der ISS ausgewechselt werden. Die Astronauten wollen außerdem neue Sicherheitsstandards testen.
Beim tödlichen Unglück der "Columbia" waren am 1. Februar 2003 alle sieben Astronauten ums Leben gekommen. Damals hatte 82 Sekunden nach dem Start ein abgefallenes Stück Isolierschaum die Hitzekacheln am linken Flügel so stark beschädigt, dass die Raumfähre nach Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinander brach.
Warnung vor "Columbia"-Absturz ignoriertNicht alle Auflagen erfüllt
In der ISS werden nach Angaben des Flugleitzentrums bei Moskau die Vorbereitungen für die am 15. Juli geplante Ankoppelung getroffen. Dazu sei die Flugbahn der 184 Tonnen schweren Station um mehr als zwei Kilometer gehoben worden, so der Sprecher der Flugleitzentrums.
Es handelt sich um den 114. Start eines Spaceshuttles und um den 31. Flug der Raumfähre "Discovery" seit ihrem Erstflug am 30. August 1984.
Eine unabhängige Untersuchungskommission wies zu Wochenbeginn darauf hin, dass drei der 15 Sicherheitsauflagen für die Rückkehr zum regulären Flugbetrieb nicht erfüllt seien. Dazu gehört, dass die NASA nicht völlig ausschließen kann, dass Isolierschaum- oder Eisstücke die Außenhaut des Shuttles beschädigen. Auch die Techniken zur Reparatur von Löchern während des Fluges wurden als nicht zuverlässig beschrieben.
Mehr als 1,5 Milliarden Dollar [1,24 Mrd. Euro] hat die NASA in den vergangenen zweieinhalb Jahren in die Verbesserung der Sicherheitsstandards investiert. Insegesamt 29 Empfehlungen hatte eine unabhängige Untersuchungskommission gegeben, von denen 15 unbedingt vor der Rückkehr zum regulären Flugbetrieb erfüllt werden sollten.
"Columbia"-Absturz auch Fehler der NASAMehr Sicherheit beim Start
Zu den wichtigsten Sicherheitsauflagen gehört, dass künftig kein Isolierschaum mehr vom Außentank abbricht. Darüber hinaus sollte sichergestellt werden, dass qualitativ bessere Aufnahmen vom Start und der ersten Flugphase gemacht werden, um Probleme frühzeitig zu erkennen.
Das Expertengremium verlangte zudem eine bessere Inspektionen vor den Flügen, verbesserte Kommunikation innerhalb der NASA sowie die Reduzierung von Ausnahmeregelungen. Zu den anspruchsvollsten und schwierigsten Auflagen gehörte ein Plan für Reparaturarbeiten an den Hitzekacheln während des Fluges.
Schließlich empfahl die Kommission, dass bei der Rückkehr zur Erde eine andere Flugroute ausgearbeitet wird, um Flüge über Bevölkerungszentren zu vermeiden. Bis auf drei sieht die Kommission alle anderen Auflagen als erfüllt an.
Nach dem Unglück nahm die NASA sofort eine Neukonstruktion des 47 Meter großen Außentanks der "Discovery" in Angriff. Der rostbraune Tank ist das größte und zugleich das einzige nicht wieder verwendbare Teil der Raumfähre.
Shuttle-Start rückt für NASA näherStart bei Tageslicht
Ein Stück Isolierschaum hatte die "Columbia" beim Start am linken Flügel so schwer beschädigt, dass sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinander brach. Nach den Worten von NASA-Direktor Michael Griffin ist das Risiko, dass beim Start Schaumstücke oder Eisbrocken den Hitzeschild beschädigen, sehr stark reduziert worden.
Neu ist auch, dass die ersten beiden Starts eines Spaceshuttles bei Tageslicht am Nachmittag erfolgen, damit werden die Filmaufnahmen einfacher. Den Start verfolgen außerdem die beiden Astronauten an Bord der ISS in 400 Kilometer Höhe über der Erde.
Ein auf rund 30 Meter verdoppelter Roboterarm wurde mit einer Kamera und mit Lasertechnik ausgerüstet. Der "sehende Arm" kann im Weltall um die Raumfähre herumschwenken und aus jedem Blickwinkel mögliche Schäden am Hitzeschild in Augenschein nehmen.
Die NASA-Techniker installierten außerdem ein "elektronisches Nervensystem" an den Flügeln. Die 66 hoch empfindlichen Sensoren geben mit 20.000 Messungen pro Sekunde somit nahezu zeitgleich Aufschluss über den Zustand und die Erwärmung der Flügel.
NASA-Infos zum Shuttle-Flug
