Funkchip-Kassen noch "Science-Fiction"
Der flächendeckende Einsatz von RFID-Chips werde die herkömmlichen System mit Scannerkassen schon bald ablösen - das sagen Consulting-Firmen, Funkchip-Produzenten und Ausrüsterfirmen.
Vertreter des Handels selbst sind da wesentlich skeptischer, vor allem, was den Zeitraum der Einführung von Funkchip-Abrechnungssystemen betrifft.
Dieser Trend war auch bei einer von der APA veranstalteten Podiumsdiskussion Donnerstagabend nicht zu übersehen.
"Schätzungen gehen von 38 bis 65 Mio. Euro an Kosteneinsparungen und einer Umsatzsteigerung von fünf Prozent - also einem Plus von rund 700 Mio. Euro - durch RFID im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel aus", erklärte Martin Prantl, Managing Director von AC Nielsen Austria.
"Schlüsseltechnologie"
Für Christian Fritz von der Telekom Austria sind RFIDs bereits
dabei, sich besonders im Kundenbeziehungsmanagement als
Schlüsseltechnologie zu etablieren. Dazu kämen elektronische
Werbeplakate, die durch voreingestellte Parameter wie
Angebotspreise, Ablaufdaten und Lagerbestand gesteuert werden.
RFID-Eintrittskarten bei der Fußball-WMDie Skepsis des Handels
Deutlich skeptischer zeigten sich die Vertreter des Handels. "RFID an der Kasse ordne ich für die nächsten zehn Jahre in die Kategorie Science-Fiction ein", erklärte Franz Hölzl von Spar Österreich.
Seit der Einführung der Scannerkassen habe es wenige technische Innovationen für die Konsumenten gegeben.
"Wir behalten die Entwicklung im Auge, rechnen aber nicht damit, dass RFID in den kommenden paar Jahren das große Thema wird", ist auch Johann Brandl von Zielpunkt überzeugt.
Statt auf einen teuren Wechsel der gesamten Technologie setzen die Supermärkte verstärkt darauf, die bestehenden Strichcode-Systeme in Kombination mit Marketingmaßnahmen effizienter zu nützen.
Von der Kundenakzeptanz der "Leading Stores" in Mattighofen und Wien sei man überrascht worden, sagte Hölzl. Rund 30 Prozent der Kunden nutzten dort bereits die Möglichkeit des Selbst-Scannens der Produkte.
Der Kunde als Scanner
Auch bei Zielpunkt laufen derartige Pilotprojekte. Der Anteil der
Selbst-Scanner habe sich in einer Filiale durch Marketingmaßnahmen
verfünffacht, sagte Brandl.
Per Fingerabdruck im Supermarkt zahlenErst Revolution in der Logistik
Probleme bei der RFID-Einführung sieht auch Nikolaus Hartig von ECR [Efficient Consumer Response] Austria vor allem in zwei Bereichen: Einerseits seien die Kosten für Chips und Investitionen hoch, andererseits gebe es gewisse Vorbehalte bei Konsumenten, die den Einsatz von Funkchips als Eingriff in ihre Privatsphäre sehen.
Für die Zukunft sei freilich mit einer "Revolution" zu rechnen, die der Einführung des EAN-Strichcodes vor etwa 25 Jahren nicht nachstehen werde.
RFIDs werden vorerst im Bereich Lager und Kommissionierung an Bedeutung gewinnen, erst im nächsten Schritt dann den Supermarkt erobern, meinte Herbert Brauneis von IDS Scheer Österreich.
In den USA hat die Handelskette Wal-Mart 2004 begonnen, ihre Logistik mit Funkchips [RFID] zu unterstützen. Gillette, Kraft und Procter & Gamble haben 2004 rund 250 Millionen Dollar für Funkchips und die passende Ausrüstung ausgegeben. Insgesamt nehmen 140 Firmen am Programm Wal-Marts teil und bestücken ihre Waren wie verlangt mit Funk-Chips.
Wal-Marts RFID-Initiative
