"Schlaue" Minen für den Irak
Die US-Soldaten im Irak sollen bald ein System einsetzen, das Kritiker mehr an die Handhabung eines PC-Games erinnert als an Kriegsführung.
Bereits seit längerem in Entwicklung sollen ab Juni die Soldaten der Stryker Brigade, die hauptsächlich rund um die Stadt Mosul tätig ist, Minen ferngesteuert einzeln via Notebook gezündet werden können. Der auslösende Soldat soll dabei in Sichtweite, aber sicherer Entfernung positioniert sein.
Nachdem das System "Matrix" im September erfolgreich gestestet wurde, läuft derzeit die Auslieferung von 25 Minen-Sets, darunter auch M18 Claymores, samt Notebooks mit Touch-Screen.
Neben den Claymores, die auch im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde, sollen auch nicht-tödliche Minen eingesetzt werden, die statt Stahlkugeln Kugeln aus Gummi freisetzen.
Matrix ist Teil des Versuchs des US-Militärs, so genannte "schlaue" Minen zu entwickeln, um das Risiko ungewollter Zündungen und damit einhergehende Verletzungen zu minimieren. Bis zum Einsatz des zugrunde liegenden Systems Spider sollen noch ein paar Jahre vergehen.
"Schlaue" Minen zerstören sich selbstProtest von Landminen-Gegnern
Aktivisten gegen den Einsatz von Landminen haben Bedenken gegen den Einsatz dieser "schlauen" Minen geäußert.
Human Rights Watch [HRW] zeigte sich besorgt, dass mit dem System die US-Soldaten zu stark auch aus dem Prinzip Ursache-Wirkung gezogen werden.
HRW-Forscher Mark Hiznay äußerte Bedenken darüber, dass mitunter 19-jährige Soldaten vor einem Computer sitzen, wo die Detonation einer Mine nur über ein Leuchtzeichen auf einem PC-Schirm angezeigt wird. Er befürchte auch, dass die Minen im Notfall auch wieder zu ganz normalen, "dummen" Antipersonen-Minen umfunktioniert werden können.
Gemäß einem US-Erlass sollen die Minen, die zudem nicht vergraben sind, nach dem Einsatz von den US-Militärs wieder eingesammelt werden.
Das Landmine Survivors Network und weitere Gruppen haben eine Kampagne gestartet, bei der Unterstützer ihre Bedenken in einem Brief an den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld richten sollen. Sie stellen in Frage, ob der Soldat aus der Entfernung ausreichend zwischen Freund und Feind unterscheiden kann und ob die Minen auch ohne Fernsteuerung ausgelöst werden können.
Roboterschwärme gegen MinenfelderKeine weiteren Details genannt
Die meisten Fragen bleiben derzeit unbeantwortet, da das US-Militär bis dato nur wenig Information über Matrix verbreitet hat. Vertreter des Pentagons und des Picatinny Arsenals der Army, die Matrix in Zusammenarbeit mit Alliant Techsystems und Textron Systems entwickelt haben, wollten sich dazu gegenüber der Nachrichten-Agentur AP nicht äußern.
In einem Statement Anfang Jänner beschrieb das US-Militär Matrix als "benutzerfreundlich", es brauche nur wenig Training, damit ein Soldat das System sicher verwenden und bedienen könne. Gedacht sei Matrix für die Sicherung von Stellungen, Landezonen aber auch Offensiv-Angriffe sowie für den Schutz von Infrastruktur und Check Points, das das US-Militär.
Laut John Pike von Globalsecurity.org kann das System als Ersatz für Heckenschützen dienen, deren Reichweite rund eineinhalb Kilometer ist. Die mögliche Sichtweite sei viel größer, so Pike, allerdings sieht er durchaus Probleme darin, dass dann unter Druck rechtzeitig die passende Mine für die Detonation auf dem Schirm ausgewählt wird.
