21.02.2005

10. BIS 16. MÄRZ

CeBIT-Eintrittskarten mit Funkchips

Die Supermarktkassa, welche die Waren schon im Einkaufswagen abrechnet, der Chip unter der Haut, der den Notarzt sofort über Blutgruppe und Allergien informiert und der Kühlschrank, der die Milch von alleine auf die Einkaufsliste setzt - die Technik, die das alles möglich machen soll, heißt RFID [Radio Frequency Identification].

Auf der CeBIT in Hannover [10. bis 16. März] werden die winzigen Funkchips mit ihren breiten Anwendungsmöglichkeiten zu den zentralen Themen zählen.

Doch während sich die Industrie von den Funketiketten Milliarden-Einsparungen und ein großes Geschäft erhofft, verurteilen Verbraucher- und Datenschützer sie als "Schnüffel-Chips".

Preis bereits auf 15 US-Cent gefallen

Das Geschäft mit den RFID-Chips wurde im vergangenen Jahr auf 300 Millionen Dollar geschätzt. Bis 2009 rechnet das US-Marktforschungsunternehmen In-Stat mit einem Anstieg auf 2,8 Milliarden Dollar, der Großteil davon im Handel.

Das größte Hindernis war bisher der Preis der Chips, der inzwischen von mehr als 50 auf 15 US-Cent fiel. Ab fünf Cent werde es richtig interessant, heißt es von Analysten.

Von etlichen Anwendungsfeldern ist die Rede. Ein Kasino in Las Vegas will mit RFID für fälschungssichere Spielchips sorgen. Bibliotheken könnten so ihre Bücher markieren, Gefängnisse die Häftlinge, Pharmakonzerne könnten ihre Medikamente vor Fälschungen schützen und Regierungen würden die Chips gern in Gesundheitskarten oder Reisepässen sehen.

Schon jetzt gehört die Technologie zum Alltag: Die Monatsfahrkarten der Londoner U-Bahnen haben einen RFID-Chip, das Maut-System in Singapur funktioniert damit und ebenso zahlreiche Skilifte in den Wintersportgebieten der Alpen.

CeBIT-Eintrittskarten mit Funkchips

CeBIT-Besucher werden dieses Jahr schon am Eingang mit der Technologie konfrontiert: RFID-Lesegeräte des Anbieters PCS werden berührungslos die Eintrittskarten kontrollieren.

Auch Schwergewichte wie SAP, Siemens und IBM wollen Lösungen vorstellen. Hewlett-Packard nutzt die Chips im Vertrieb von Druckern und will auf der CeBIT über die Erfahrungen berichten.

Den kompletten Prozess vom Druck eines Labels über das Beschreiben eines Transponders bis zum automatischen Lesen eines Warenausgangs zeigt das Oracle-Partner Team.

Speziell für die Konsumgüterindustrie ist ein von Sun Microsystems entwickeltes Komplett-Paket gedacht, das aus Software, Etikettendrucker und Lesegeräten besteht.

Datensparsamkeit und Anonymisierung

Die Datenschützer mahnen zum sorgsamen Umgang mit den Systemen. Grundsätzlich ließen sich mit RFID Daten zu Gewohnheiten und Eigenarten eines Menschen sammeln.

Dazu Britta Oertel Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung [IZT]: "Um die Chancen von RFID zu nutzen und gleichzeitig die Bedrohung für die Persönlichkeitssphäre so gering wie möglich zu halten, müssen die Grundsätze eines wirksamen Datenschutzrechts in RFID-Systemen bereits frühzeitig im Design-Prozess und in der Markteinführung umgesetzt werden.

Hierzu zählen vor allem der Grundsatz der Datensparsamkeit und die schnellstmögliche Anonymisierung oder Pseudonymisierung personenbezogener Daten.

Dies gilt umso mehr, als politische und rechtliche Rahmenbedingungen im Zuge der fortschreitenden Globalisierung zunehmend schwieriger zu gestalten sind."