"Verwanzte Tickets" bei der Fußball-WM
Wer sich ein Spiel bei der Fußball-WM ansehen will, wird nicht erst an den Einlasskontrollen im Stadion durchleuchtet.
Bereits bei der derzeit laufenden Bewerbung für das Losverfahren um die Karten müssen die Fans so viele Daten von sich preisgeben, dass die Datenschützer bereits auf den Plan gerufen werden. Das Bündnis Aktiver Fußball-Fans [BAFF] erwartet den "gläsernen Fan" im Stadion, der "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs" [FoeBuD] spricht von "inquisitorischen Fragebögen" und "verwanzten Tickets".
Stein des Anstoßes sind die Fragebögen, die Daten wie Alter, Geschlecht, Nationalität und Adresse abfragen und dazu noch die Ausweisnummer jedes Bewerbers. "Es würde ausreichen, die letzten vier Ziffern des Personalausweises zu erheben", sagte Deutschlands oberster Datenschützer Peter Schaar.
Irreführendes Formular
Auf dem Formular wird zudem der Eindruck erweckt, dass die Fans
der Weitergabe ihrer Daten zu Werbezwecken zustimmen müssen, damit
ihre Kartenbestellung überhaupt bearbeitet wird.
WM-Ticketverkauf rüstet sich für Ansturm3,37 Millionen Karten mit Funkchip
Das hält der deutsche Bundesverband der Verbraucherzentralen für einen Verstoß gegen das Transparenzgebot und eine unangemessene Benachteiligung der Kunden. Er hat deshalb eine Abmahnung an den Deutschen Fußball-Bund geschickt.
Groß ist die Sorge bei den Datenschützern deswegen, weil jede der insgesamt 3,37 Millionen Karten mit einem RFID-Chip [Radio-Frequency Identification] ausgestattet ist. "Keiner weiß, was auf den Chips gespeichert ist", sagt Johannes Stender, einer der BAFF-Sprecher. Laut WM-Organisationskomitee wird auf jedem Chip eine verschlüsselte Identifikationsnummer gespeichert, um das Ticket einzigartig zu machen.
Doch das glauben die Datenschützer noch nicht. "Ohne Lesegerät kann das keiner nachprüfen", sagt Stender. Auch das Argument des Schwarzmarkthandels wollen die Wächter nicht gelten lassen. Der Handel wird nicht unterbunden, er wird nur teurer, heißt es.
Datenbank entscheidet über Einlass
Insgesamt soll der Eintritt durch den Chip unkomplizierter
werden. Kartenabreißer gehören der Vergangenheit an, stattdessen
funkt der Chip am Eingang einem Lesegerät aus kurzer Distanz seine
Nummer zu. Mit der dahinter geschalteten Datenbank wird
festgestellt, ob die Daten stimmen, und der Eingang gewährt oder
nicht.
Testlauf für Reisepässe im Stadion40 Millionen Bewerbungen um Karten
Dem Argument, jeder Zuschauer sei mit Hilfe des Chips im Stadion auszumachen, erteilt Parchmann eine Absage: "Mit einem gewöhnlichen Handy ist man leichter zu orten."
Die Datenschützer fordern vom Fußball-Weltverband [FIFA] auch weiterhin, keine sensiblen Daten zu erheben und sie vor allem nicht an Dritte weiterzugeben. Rund 40 Millionen Menschen werden sich Erhebungen zufolge um WM-Karten bewerben.
