Digicam-Chips als Milliardengeschäft
Die Digicam-Chip-Industrie durchlebt derzeit eine ähnliche Entwicklung wie die PC-Chip-Industrie in den Achtzigern.
Während die entsprechenden Chips zur Massenware werden, wird die Entwicklung immer teurer. Somit verzichten Digicam-Hersteller zunehmend auf Eigenentwicklungen und greifen auf Produkte von Drittherstellern zurück.
"Wir kämpfen den Chip-Krieg nochmals durch", meint Gary Baum, Vizepräsident von NuCore Technology. Das Unternehmen stellt Bildverarbeitungsprozessoren für Unternehmen wie JVC und Kyocera her. "Es läuft derzeit wie in den Achtzigern - die PCs kosteten 5.000 Dollar, und jeder produzierte seine eigenen Chip-Sets. Dann setzte der Preiskampf ein", zieht er Vergleiche.
2004 wurden weltweit rund 60 Mio. Digicams verkauft - das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent. Heuer soll die Wachstumsrate immerhin noch 20 Prozent betragen. Hinzu kommen Handyhersteller, die in ihre Geräte zunehmend Digicam-Funktionen packen.
Preise fallen
Mit dem Digicam-Boom fallen jedoch die Preise - der diesjährige
Anstieg im Digicam-Verkauf wird durch einen rund zwanzigprozentigen
Preisverfall vernichtet. Somit bleibt der Umsatz von rund 15 Mrd.
Dollar heuer gleich.
72 Mio. Digicams für 2005Hersteller sparen
Um der Kostenfalle zu entkommen, wird an allen Ecken und Enden gespart. Digicam-Hersteller setzten dabei zunehmend auf Bildsensoren und -verarbeitungschips von Fremdherstellern.
2003 wurden nur zehn Prozent aller Digicams mit Fremdchips bestückt. Im Jahr 2004 waren es bereits 20 Prozent.
So verwenden beispielsweise Kodak, Hewlett-Packard und viele Handyhersteller Chips von Texas Instruments. Die Abgrenzung vom Mitbewerb üben die Digicam-Hersteller auf der Softwareseite aus: Die Daten, die von den Chips geliefert werden, werden in der Kamera nochmals aufbereitet und optimiert.
Eine Digitalkamera besteht aus vier Grundbausteinen: dem Objektiv, dem Bildsensor, dem Analog-Digital-Konverter sowie einem Bildprozessor. Letzterer filtert die Bilddaten und verändert den Output.
Dritthersteller bringen sich zunehmend ein
Davon werden sowohl Bildsensor als auch -prozessor in zunehmenden
Maße von Drittherstellern produziert. Vor fünf Jahren kostete die
Entwicklung eines Chips zehn Mio. Dollar; die "Maske" selbst -
benötigt zur Herstellung aus den Siliziumwafern - rund 100.000
Dollar. Heute kostet die Entwicklung 30 Mio. Dollar, während die
Maske mit einer Million zu Buche schlägt.
Kodak ist Digicam-König in den USAJährlich neue Chips
Gleichzeitig müssen alle zwölf bis 18 Monate neue Chips auf den Markt kommen, um mit der Konkurrenz mitzuhalten - ein Teufelskreis, dem sich die Digicam-Hersteller durch Outsourcing entziehen können.
Der Durchbruch für Dritthersteller wird allerdings erst dann gelingen, wenn große Digicam-Hersteller wie Canon, Sony oder Sanyo, die auch Auftragsarbeiten für andere Hersteller durchführen, ihre Chips von außen zukaufen. Noch zögern diese Hersteller, da sie ihre eigenen Chips unter großem Marketingaufwand bewerben - wie etwa Canon den Digic Image Processor. Doch Experten zufolge setzt Canon mittlerweile bei mindestens einer High-End-Kamera einen Fremdchip ein, was den Anfang einer neuen Bildchip-Ära markieren könnte.
