Spam-Anrufe über Internet-Telefonie
Die rasche Ausbreitung der VoIP-Technologie, die ein rapider Preisverfall vor allem bei Auslandstelefonaten begleitet, eröffnet auch neue Möglichkeiten der unangenehmen Art.
"Spam over Internet Telephony" oder SPIT [Englisch für "spucken"] steht für automatische Werbeanrufe von Sprachcomputern, die unweigerlich zunehmen werden, je billiger IP-Telefonie wird.
Das zentrale toplink-Vermittlungssystem für IP-Telefonie in Deutschland im Frankfurter Datenzentrum der Interxion, wo der Verband der deutschen Internetwirtschaft den zentralen Knoten DE-CIX unterhält, wurde deshalb mit einem Schutzsystem gegen "Spit" aufgerüstet.
Toplink agiert als zentrale Vermittlungsstelle für ein Netz von Wiederverkäufern. Die zwölf bereits schon angeschlossenen Internet-Provider bringen einen Kundenstamm von rund 30.000 Geschäfts- und Privatkunden, das Verkehrsaufkommen liegt derzeit bei ca. 300.000 Gesprächsminuten im Monat.
Im September 2004 zeigte die US-Firma Qovia, die selbst zwei Patente zur Bekämpfung von Spit angemeldet hat, in einer Simulation, wie mittels VoIP bis zu 1.000 Nachrichten pro Minute verschickt werden können.
Nach Spam nun Warnung vor "Spit"Zusperren mit SIP
Technische Grundlage für die Sperre bildet das SIP-Protokoll [Session Initiation Protocol], auf dem die VoIP-Plattform von toplink aufsetzt.
Weil bei Spam praktisch immer die Versandquelle gefälscht wird, baut SIP eine nachvollziehbare Verbindung zwischen zwei Endgeräten auf.
Das System erkennt, wenn binnen einer definierten Zeit eine bestimmte Anzahl von Anrufen aus einem Netz überschritten wird und wertet dies als Spit-Attacke, die dann vor dem zentralen VoIP-Knoten geblockt wird.
Darüber hinaus ist die toplink-Plattform von den VoIP-Resellern nur über ein von Firewalls gesichertes Virtual Private Network [VPN] zu erreichen.
Als Anti-Spit-Maßnahme betreibt toplink auch keine öffentliche Datenbank, in der die Nutzer mit ihren SIP-Adressen gespeichert sind, somit obliegt die Bekanntgabe der eigenen Telefonnummer oder SIP-Adresse dem einzelnen Kunden.
Der Umstieg auf VoIP
Nachdem zuerst Großunternehmen wie Ford, Boeing und die Bank of
America den Umstieg von der guten alten Telefonanlage auf
IP-Telefonie angekündigt hatten, mehren sich nun Nachrichten
betreffend VoIP und unternehmerischer Mittelstand.
Internet-Telelefonie erobert UnternehmenKeine rechtliche Handhabe
Eine rechtliche Handhabe durch den Gesetzgeber hat ebenso wie bei der Spam-Bekämpfung kaum Erfolgsaussichten, weil Spit genau wie Spam mehrheitlich aus Nicht-EU-Staaten kommt bzw. kommen wird.
Via IP-Telefonie sind die Kosten für ein Ferngespräch von den Bermudas nicht höher als ein Ortsgespräch zwischen Nachbarn in derselben Straße.
