22.12.2004

GALILEO

Zivile Sat-Navigation als Jobfaktor

Vom europäischen Milliarden-Projekt Galileo für die Satelliten-Navigation erwarten Experten kräftige Impulse für den Arbeitsmarkt.

Mit Blick auf die vielfältigen Anwendungsbereiche sei mit "etlichen hunderttausend" zusätzlichen Arbeitsplätzen in Europa zu rechnen, sagte Rainer Grohe, Chef von Galileo Joint Undertaking [GJU], am Mittwoch in München.

Frühere Experten-Schätzungen von 140.000 neuen Jobs seien "extrem gering" angesetzt.

Das Unternehmen GJU wurde von der EU und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA ins Leben gerufen und soll die Entwicklungsphase des Galileo-Programms leiten. Nach der Positionierung von 30 Galileo-Satelliten im All, die bis 2010 abgeschlossen sein soll, werde das Geschäft mit den Sat-Signalen einen Betrag "deutlich im zweistelligen Milliardenbereich" erreichen, sagte Grohe.

China und Israel beteiligt

Die Gesamtkosten für das Galileo-Projekt werden auf mehr als drei Milliarden Euro beziffert. Am Dienstag war in Paris ein Vertrag über 150 Millionen Euro für die erste Etappe unterzeichnet worden. Nach den Worten von Grohe ist auch China dem Galileo Joint Undertaking beigetreten und beteiligt sich an den Kosten für das Galileo-Projekt mit 195 Millionen Euro.

Auch mit Israel stehe man kurz vor Abschluss eines Vertrages, berichtete der GJU-Chef. Etliche andere Länder wie Indien, Korea, Brasilien, Argentinien und die Ukraine seien sehr an dem Projekt interessiert.

"Volkswirtschaftliche Bedeutung"

Die derzeitigen Systeme der Satelliten-Navigation etwa in Autos arbeiten mit den GPS-Signalen. Für die zivile Nutzung hätten die USA zwei Frequenzbänder freigegeben, aber ohne jede Garantie etwa zur Qualität, erläuterte Grohe. Diese Freigabe stehe zudem unter dem Vorbehalt von Sicherheitsüberlegungen.

So hätten die USA im ersten Golfkrieg die Signale auf den beiden zivilen Frequenzbändern eine Zeit lang unscharf gestellt. Auch deshalb sei das internationale Interesse an Galileo so groß. "Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Satelliten-Navigation ist so bedeutend, dass man sich nicht auf ein System allein stützen kann", erklärte Grohe.