ICANN-Budget bleibt unter Beschuss
Der bereits heftig kritisierte Budgetvorschlag der Internet-Verwaltung ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers] stößt nun auf vermehrten Widerstand.
Insgesamt 75 Registrare haben sich in einem Brief an ICANN-Chef Paul Twomey dezidiert gegen den Budgetvorschlag in der aktuellen Form ausgesprochen.
Sie sehen vor allem durch die Anhebung der jährlichen Gebühren von 5.000 auf rund 24.000 Dollar ihre Existenz gefährdet und befürchten, dass dadurch nur große Registrare überleben und Monopole entstehen würden.
Daneben sehen sie allerdings auch Vorteile wie die vorgeschlagene Gebühr von 25 US-Cent für jede Domain-Transaktion.
Wie auch bereits die als CENTR [Council of European National Top Level Domain Registries] organisierten ccTLD-Registrare Europas wollen die 75 Registrare eine starke ICANN und sie in diesem Vorhaben weiter unterstützen.
Aufstand gegen Internet-VerwaltungRechnung ohne Schlussstrich
Die Registrare führen an, dass die von der ICANN kalkulierten 15,8 Millionen Dollar in der geplanten Form nicht einbringbar seien. Sollte die ICANN tatsächlich rund 24.000 Dollar pro Registrar einheben, würde von den kalkulierten 200 Registraren eine erhebliche Zahl ausfallen und damit die Einnahmen beträchtlich sinken, so die Argumentation.
Damit würde nicht nur das Budget nicht erfüllt, sondern auch die ICANN in ihrer Macht geschwächt. Im Gegenzug schlagen die Registrare ein geändertes Budget vor, das auf rund elf Millionen Dollar Einnahmen pro Jahr ausgelegt ist.
Dabei würden die Registrare wie bisher 4.000 Dollar pro Jahr für die Verwaltung der Top Level Domains [TLD] zahlen und die geforderten 25 US-Cent pro Transaktion. Sollte die ICANN das erwartete Budgetziel nicht erreichen, könne sie zusätzliche Mittel von den Registraren einfordern.
Laut ICANN gehen rund 3,8 Millionen Dollar für die Unterstützung der Registrare auf. Diese Kosten will die ICANN auf die 197 Registrare umwälzen, was pro Registrar rund 19.300 Dollar ausmacht. Zuzüglich sonstiger Gebühren fallen damit laut Rechnung der Registrare rund 23.000 Dollar für jeden an. Bisher wurde nach den im Angebot stehenden Domains abgerechnet.
ICANN auf dem ScheidewegEinspruch von CENTR
Zuletzt sprach sich CENTR-Vorsitzender Paul Kane in einem Brief an Twomey bereits gegen die Erhöhung aus und stellte zudem die Funktionen der ICANN und ihren Anspruch als Verwalter des Internets in Frage.
Die ICANN müsse sich realistische Ziele setzen und auf ihre Hauptaufgabe als administrative Koordinationsstelle konzentrieren, so die Aufforderung der ccTDL-Registrare [country code Top-Level Domain].
Neben der Ablehnung der Mehrkosten forderten die Domain-Verwalter zudem eine klarere Abgrenzung der IANA von der ICANN bzw. eine Trennung. Angesichts des Budgetsvorschlags würden die Registrare in einer Trennung Vorteile für die Netz-Community in Bezug auf die Sicherheit und Stabilität sowie Kosteneffizienz sehen, so der Brief weiter.
In der kommenden Budgetsitzung im Juli in Kuala Lumpur muss der Aufsichtsrat über den aktuellen Budgetvorschlag entscheiden.
ICANN-Meeting von 19. bis 23. Juli
