25.06.2004

STRATEGIE

MS wollte PeopleSoft gegen Oracle stärken

In der Auseinandersetzung rund um PeopleSofts feindliche Übernahme durch Oracle kommen immer mehr Details zum Vorschein.

So war Microsoft nicht nur in regen Verhandlungen um eine Übernahme von SAP, sondern wollte auch eine strategische Investion in PeopleSoft tätigen. MS-Gründer Bill Gates beabsichtigte dadurch die Firma bei der Abwehr der Übernahme zu unterstützen.

Beides geht aus einer vertraulichen E-Mail von Gates an Microsoft-Chef Steve Ballmer hervor, die im Kartellprozess zur PeopleSoft-Übernahme veröffentlicht wurde.

"Wenn ich über diese Offerte von Oracle nachdenke, frage ich mich, ob wir nicht an PeopleSoft herantreten und eine Minderheitsbeteiligung vorschlagen sollten, um seine Unabhängigkeit zu untermauern", schrieb Gates einen Tag nach der Ankündigung des Übernahmeangebots am 6. Juni 2003 an Ballmer.

US-Justiz will Übernahme verhindern

"Ein weiterer Gedanke ist mir in den Sinn gekommen: Es wäre an der Zeit, SAP zu kaufen", setzte Gates hinzu. Die Überlegung sei mit Blick auf die Notwendigkeit, die eigene Plattform zu stärken, und die Bereitschaft, dafür Geld auszugeben, interessant.

Mit dem Gerichtsverfahren will das US-Justizministerium die Übernahme von PeopleSoft verhindern, weil diese Fusion den Wettbewerb auf dem Markt für Buchhaltungs- und Personalwirtschaftssoftware vor allem für Großkonzerne beschränken und die Preise nach oben treiben würde. PeopleSoft und Oracle seien in diesen Sparten die einzigen ernsthaften Anbieter.

Als Zeugen benannte Manager von SAP und Microsoft widersprachen jedoch dieser Annahme. Auch SAP habe Großkonzerne wie Nike oder den Buchhändler Barnes & Noble mit

Personal- und Finanzsoftware beliefert, sagte der Vice President des Nordamerika-Geschäfts von SAP, Richard Knowles, vor Gericht.

Microsoft will sich zurückhalten

SAP hält den amerikanischen Markt für Unternehmenssoftware für zersplittert. Den eigenen Marktanteil in den USA schätzte Knowles auf sieben Prozent. Microsoft-Manager Douglas Burgum versuchte als Zeuge die Befürchtung zu zerstreuern, der Konzern wolle in das Marktsegment von Oracle eindringen.

Es gebe keine Pläne, die Funktionalität der Microsoft-Programme so zu erhöhen, dass sie auch für Großkonzerne geeignet seien. Microsoft wolle sich auf den Mittelstand konzentrieren.