04.05.2004

ERWACHSEN

Microsoft ist aus der Pubertät

Microsoft will sich künftig in der Konkurrenz mit anderen Unternehmen mehr "wie ein Erwachsener" verhalten, aber nicht auf harten Wettbewerb verzichten. Das sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Wir sind in eine Phase unserer Unternehmensexistenz eingetreten, in der wir unsere unglaubliche Arbeit fortsetzen, die Grenzen der Innovation ständig erweitern und weiterhin zusätzliche Werte für Kunden schaffen. Aber gleichzeitig werden wir das in einer Art und Weise tun, die ich als die 'erwachsene Phase' unserer Entwicklung beschreiben würde."

Friede und Harmonie

Ballmer verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Bedeutung des Urheberrechts für Microsoft: "Wir glauben an das geistige Eigentum, wir haben immer daran geglaubt. Und in diesem Bereich wollen wir Frieden und Harmonie haben."

Daher müsse Microsoft hin und wieder geistiges Eigentum von anderen lizenzieren. "Wir haben das bei InterTrust gemacht, auch bei Sun und nun bei Siemens. Und andere müssen bei uns lizenzieren."

Beobachter mutmaßen schon seit geraumer Zeit, dass der Konzern sein auf mehr als 50 Mrd. USD geschätztes Barvermögen dazu verwendet, um Streitigkeiten beizulegen und so einerseits sein Image aufzubessern und andererseits bei Schlüsseltechnologien freie Hand zu bekommen.

"Aggressiver Willen" bleibt

"Unsere Kunden verlangen von uns schon, dass wir entschlossen mit Sun konkurrieren. Sie verlangen aber gleichzeitig von uns, dass wir eine technische Zusammenarbeit mit [Systemen von] Sun ermöglichen."

Marktbeobachter sollten deshalb von Microsoft nicht weniger Innovation oder einen weniger aggressiven Willen zur ständigen Verbesserung der Produkte für den Kunden erwarten.

"Wir werden das aber in einer Art und Weise angehen, die man von uns als einem Branchenführer erwartet. Ich weiß nicht, ob das heißt, dass wir 'soft' geworden sind oder nicht. Wir sind sicherlich erwachsener geworden."