Mautbetreiber wollen weiterarbeiten
Die Unternehmen des Mautkonsortiums Toll Collect wollen weiter an einer gemeinsamen Lösung für die vorerst gescheiterte Lkw-Maut in Deutschland arbeiten.
DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hat sich für die Lösung eine Frist von zehn Tagen gesetzt. Trotz der Vertragsauflösung geben Schrempp und die ebenfalls an Toll Collect beteiligte Deutsche Telekom [DT] die Hoffnung nicht auf, dass das Milliardenprojekt doch noch verwirklicht kann.
Die DT erklärte: "Wir stehen zu Toll Collect und arbeiten weiter an dem Mautsystem." Ein Sprecher des Verkehrsministeriums verwies auf Äußerungen des deutschen Verkehrsministers Manfred Stolpe, dass eine Einigung in den nächsten zwei Monaten noch möglich sei. Weiter offen blieb die Finanzierung von Verkehrsprojekten nach dem Wegfall der Mauteinnahmen von jährlich 2,1 Milliarden Euro.
Die Verluste und Risiken durch Toll Collect belasteten DaimlerChrysler im Jahr 2003 mit 250 Millionen Euro. Durch die Kündigung des Mautvertrages drohen dem Konzern weitere Lasten in dreistelliger Millionenhöhe.
Diskussion über Folgen des Maut-DebakelsFehler gemacht
Schrempp räumte Fehler bei der Lkw-Maut ein. "Wir ziehen uns nicht aus der Verantwortung." Die Schuld an den technischen Problemen, welche die Inbetriebnahme des Systems verhindert hatten, wies er den Erfassungsgeräten zu, die nicht von DaimlerChrysler stammten.
Die DT hat noch nicht entschieden, wie sie auf die angekündigte Kündigung des Vertrags reagieren wird. Bisher sei die schriftliche Kündigungsanzeige noch nicht eingegangen.
Auch der Siemens-Konzern hat noch nicht entschieden, ob und in welcher Form er sich bei Toll Collect oder überhaupt in dem Projekt engagiert. Ob es dazu derzeit Gespräche gebe, wollte ein Siemens-Sprecher nicht sagen.
Der österreichische Mautzulieferer Efkon schlug vor, die bereits bestehenden Mauteinrichtungen für den schnellen Aufbau eines Infrarotsystems zu nutzen.
Eine Satellitenlösung könnte technisch unproblematisch auf das Efkon-System aufgesetzt werden. Die Abhängigkeit vom GPS-Betreiber würde wegfallen und damit das Risiko eines gegenseitigen Störens der Komponenten, so Efkon.
Rennen um deutsche Lkw-Maut beginntEfkon will anbieten
Hauptargumente von Efkon sind, dass die nötigen Zusatzkosten von rund 150 Mio. Euro nach einem Monat Maut bereits wieder verdient und ein "voll funktionsfähiges Mautsystem" noch in diesem Jahr möglich wären.
Die von Efkon als Überwachung der ursprünglich geplanten satellitengestützten Mautabrechnung installierten Komponenten könnten ausgebaut und als Hauptsystem genutzt werden. Bereits auf 15 Prozent aller Mautabschnitte in Deutschland seien solarbetriebene Infrarotkomponenten [Stützbaken] vorhanden.
Zusammen mit den rund 750.000 Infrarotboxen wäre die Maut nach entsprechender Ausweitung der Stützbaken auf das gesamte Mautgebiet "zeitnah" einsetzbar. Für einen schnellen Zugang zum Infrarot-Erfassungssystem solle eine Mautbox fungieren, die an die Windschutzscheibe geklebt werde und im Prepaid- oder Postpaid-Modus arbeite, so Efkon-Vorstand Helmut Rieder.
