SAP will sich gegen Oracle wehren
SAP will im erbitterten Konkurrenzkampf mit dem US-Konzern Oracle seine führende Stellung auf dem Markt für Unternehmenssoftware ohne millionenschwere Einkäufe verteidigen.
"Unser Wachstum schaffen wir ganz überwiegend aus eigener Kraft", sagte Vorstandschef Henning Kagermann am Donnerstag auf der Hauptversammlung vor rund 4.000 Aktionären in Mannheim.
Europas führender Software-Konzern setze im Gegensatz zu Oracle-Chef Larry Ellison nur auf gezielte Ergänzungskäufe. Aktionärsschützer riefen Kagermann auf, die Oracle-Klage wegen Industriespionage zu entkräften, da sie wie ein Damoklesschwert über der Entwicklung des Aktienkurses schwebe.
2006 nicht alle Ziele erreicht
Vorstandschef Kagermann räumte Schwächen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006 ein. "Wir haben nicht alle unsere ambitionierten Ziele erreicht und die Kursentwicklung kann uns noch nicht zufrieden stellen." So habe der Aktienkurs im vergangenen Jahr um nur fünf Prozent zugelegt.
Das Unternehmen hatte eine Volumenssteigerung von bis zu 17 Prozent erwartet. Der Umsatz war jedoch nur um zehn Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gestiegen. "Für die SAP ist das nicht genug", sagte Kagermann.
Die SAP-Tochter TomorrowNow soll "vertrauliches Material" von Oracles Kundenbetreuungswebsite heruntergeladen haben. Warum das auch über abgelaufene Kunden-Accounts möglich gewesen sein könnte, ist vorläufig unklar.
Mitarbeiterplus geplant
Der Manager bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr, nach dem ein währungsbereinigtes Plus bei den Software- und Software-bezogenen Serviceerlösen von bis zu 14 Prozent erzielt werden soll.
Das Software-Haus plant ein Mitarbeiterplus von 3.500 Beschäftigten. Davon sollen bis zu zehn Prozent neue Jobs in Deutschland entstehen. "2007 wollen wir unsere Ziele punktgenau erreichen", versicherte der Vorstandschef.
"Werden uns massiv zur Wehr setzen"
Die Industriespionagevorwürfe von Oracle wies Kagermann erneut energisch zurück: "Wir werden uns massiv gegen die erhobenen Vorwürfe zur Wehr setzen. Zurzeit untersuchen wir jede einzelne Behauptung der Klage und verfassen die Klageerwiderung, die wir bei Gericht einreichen werden", erklärte der Vorsitzende.
"Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter." Sonderrückstellungen wegen der Klage habe SAP aber nicht gebildet. Das Unternehmen von US-Milliardär Ellison hatte SAP Ende März wegen Diebstahls geistigen Eigentums verklagt.
Als neue Mitglieder des 16-köpfigen SAP-Aufsichtsrats wurden BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg und Siemens-Vorstandsmitglied Klaus Wucherer gewählt. Ferner wurde eine Dividende von 0,46 Euro pro Anteilsschein beschlossen.
(dpa)
