Strafzettel für Virenverbreitung
Der heiße Viren-Sommer, aber auch die Klagen der Musikindustrie gegen Eltern von minderjährigen Tauschbörsennutzern regen derzeit die Diskussion über einen "Internet-Führerschein" wieder an.
Die Idee, den Zugang zum Netz von einer "Surf-Befähigung" abhängig zu machen, taucht periodisch auf, diesmal steht dabei der Sicherheitsaspekt im Vordergrund.
Und obwohl die Idee eines Internet-Führerscheins zunächst abwegig klingt, scheinen sich dennoch auch durchaus ernst zu nehmende Experten damit zu beschäftigen:
"Man könnte sich ein vierjähriges Studium vorstellen, aber wahrscheinlich auch einen einmonatigen Kurs", kommentiert Bruce Schneier, Krypto-Guru und CEO von Counterpane Security, die Idee.
"Der Nachteil ist, dass dann nicht alle einen Internet-Rechner nutzen können, und ich mag es, meine Freunde per E-Mail erreichen zu können", distanziert sich Schneier allerdings doch.
Die vom Wurm "Sobig.F" ausgelöste E-Mail-Flut und auch der zuvor besonders aktive Wurm "MSBlaster" scheinen das Sicherheitsbewusstsein privater PC-Nutzer zumindest zeitweise schon geschärft zu haben.
"Sobig" steigert SicherheitsbewusstseinStrafzettel für Virenversand
Der Kurs zur "Surf-Berechtigung" könnte den Umgang mit Passwörten und Firewalls, das Updaten von Anti-Virus-Software und Grundlagen zu Software-Lizenzen beinhalten.
Vorbild für einen realisierbaren Internet-Führerschein könnten dabei Universitäten sein, die teilweise schon einen verpflichtenden Kurs zu Sicherheitsaspekten vorschreiben, bevor Studenten ihre Rechner nutzen dürfen.
Einige US-Colleges haben dem aber auch noch ein weiteres Element hinzugefügt: So müssen Schüler des Oberlin College in Ohio 25 USD Strafe zahlen, wenn sie einen Virus weiterverbreiten.
Russ Cooper, Sicherheitsexperte bei TruSecure, plädiert dafür, diese "Strafzettel" auch auf die privaten Internet-Nutzer auszudehnen: Wenn Surfern Strafen drohten, würde das Sicherheitsbewusstsein dramatisch steigen.
In Österreich kann immerhin schon ein Prozent der Bevölkerung eine Art Computer- und Netz-Schulung vorweisen.
80.000 Österreicher mit PC-FührerscheinIdee mit Geschichte
World-Wide-Web-Miterfinder Robert Cailliau hat sich schon 1999 für eine Registrierung aller Internet-Surfer ausgesprochen. Auch er verglich die Situation im Netz mit der von Autofahrern, die einen Führerschein erwerben müssten.
Sein Vorschlag enthielt allerdings sowohl ein Element der Regulierung [verpflichtende Anmeldung gegen "Microgebühr"] als auch der Unabhängigkeit des Netzes.
Durch die kleinen, aber zahlreichen "Mitgliedsbeiträge" der Surfer wollte er Werbung im Internet zurückdrängen.
Cailliau betonte, dass Internet-Nutzer sowohl Rechte als auch Pflichten hätten, und wies darauf hin, dass auch bei einer unaufgeregten Betrachtungsweise Gefahren vom Netz ausgingen.
Web-Miterfinder fordert Surfer-Registrierung
