14.09.2003

VORSCHLAG

Strafzettel für Virenverbreitung

Der heiße Viren-Sommer, aber auch die Klagen der Musikindustrie gegen Eltern von minderjährigen Tauschbörsennutzern regen derzeit die Diskussion über einen "Internet-Führerschein" wieder an.

Die Idee, den Zugang zum Netz von einer "Surf-Befähigung" abhängig zu machen, taucht periodisch auf, diesmal steht dabei der Sicherheitsaspekt im Vordergrund.

Und obwohl die Idee eines Internet-Führerscheins zunächst abwegig klingt, scheinen sich dennoch auch durchaus ernst zu nehmende Experten damit zu beschäftigen:

"Man könnte sich ein vierjähriges Studium vorstellen, aber wahrscheinlich auch einen einmonatigen Kurs", kommentiert Bruce Schneier, Krypto-Guru und CEO von Counterpane Security, die Idee.

"Der Nachteil ist, dass dann nicht alle einen Internet-Rechner nutzen können, und ich mag es, meine Freunde per E-Mail erreichen zu können", distanziert sich Schneier allerdings doch.

Strafzettel für Virenversand

Der Kurs zur "Surf-Berechtigung" könnte den Umgang mit Passwörten und Firewalls, das Updaten von Anti-Virus-Software und Grundlagen zu Software-Lizenzen beinhalten.

Vorbild für einen realisierbaren Internet-Führerschein könnten dabei Universitäten sein, die teilweise schon einen verpflichtenden Kurs zu Sicherheitsaspekten vorschreiben, bevor Studenten ihre Rechner nutzen dürfen.

Einige US-Colleges haben dem aber auch noch ein weiteres Element hinzugefügt: So müssen Schüler des Oberlin College in Ohio 25 USD Strafe zahlen, wenn sie einen Virus weiterverbreiten.

Russ Cooper, Sicherheitsexperte bei TruSecure, plädiert dafür, diese "Strafzettel" auch auf die privaten Internet-Nutzer auszudehnen: Wenn Surfern Strafen drohten, würde das Sicherheitsbewusstsein dramatisch steigen.

Idee mit Geschichte

World-Wide-Web-Miterfinder Robert Cailliau hat sich schon 1999 für eine Registrierung aller Internet-Surfer ausgesprochen. Auch er verglich die Situation im Netz mit der von Autofahrern, die einen Führerschein erwerben müssten.

Sein Vorschlag enthielt allerdings sowohl ein Element der Regulierung [verpflichtende Anmeldung gegen "Microgebühr"] als auch der Unabhängigkeit des Netzes.

Durch die kleinen, aber zahlreichen "Mitgliedsbeiträge" der Surfer wollte er Werbung im Internet zurückdrängen.