26.08.2003

EFFEKT

"Sobig" steigert Sicherheitsbewusstsein

Private Sicherheitsexperten und staatliche Ermittler versuchen momentan mögliche weitere Überraschungen des Wurms "Sobig.F" zu ergründen bzw. was dessen erwartete Nachfolger bringen werden.

Unterdessen scheinen die von dem Wurm ausgelöste E-Mail-Flut und auch der in der Vorwoche besonders aktive Wurm "MSBlaster" auch das Sichherheitsbewusstsein privater PC-Nutzer geschärft zu haben.

So verzeichneten die Sites von Anti-Viren-Unternehmen und die entsprechenden Seiten von Microsoft dreistellige Zuwachsraten bei den Zugriffen - auch wenn "Sobig.F" im Gegensatz zu "MSBlaster" nicht explizit eine Windows-Sicherheitslücke ausnützt.

Informationswillig

Laut Nielsen/NetRatings hat Microsofts TechNet-Seite letzte Woche satte 1.100 Prozent mehr Zugriffe verzeichnet als in der Vorwoche. Auf der Seite finden sich neben Sicherheitswarnungen, die MS-Produkt direkt betreffen, auch Informationen über andere Gefahren wie eben "Sobig.F".

Demnach hatte die Seite 3,9 Millionen Besucher und war die am schnellsten wachsende Seite, die Nielsen derzeit beobachtet. Die MSN-Seite Tech & Gadgets und die von Symantec verzeichneten demnach jeweils immer noch Zuwachsraten von über 300 Prozent.

"Die letzten Viren-Attacken werden Anti-Virus-Seiten noch wochenlang zu populären Destinationen im Netz machen", ist sich der Nielsen-Analyst Greg Bloom sicher.

"Sobig"-Spekulationen

Unterdessen machen sich aber auch Sicherheitsprofis vermehrt Gedanken über zukünftige Viren-Attacken und insbesondere darüber, was der oder die "Sobig"-Autoren noch im Schilde führen.

Dabei entstehen teilweise abenteuerlich klingende Theorien: "Es gab eine Abfolge von verschiedenen Würmern für ein übergeordnetes Ziel - dynamische [Roboterrecher], die sich selbst updaten können", meint etwa Vincent Weaver von Symantec.

Sein Kollege Mikko Hypponen von F-Secure meint unterdessen, dass die Motivation "klar Geld" sei. Demnach soll das Ziel der "Sobig"-Familie sein, Rechner für Spam-Aktivitäten zu kapern: "Hinter Sobig steckt eine Gruppe Hacker, die über Kapital verfügen", ist sich Hypponen sicher.

Und während auch Joe Hartmann von Trend Micro einen Spam-Hintergrund vermutet, wittert Peter Simpson von ThreatLab sogar "organisiertes Verbrechen", das hinter Kreditkartendetails und Bankinformationen her ist.

Unterdessen erwarten fast alle privaten Sicherheitsexperten und auch US-Strafverfolger, die sich mit dem Fall beschäftigen, in der Zeit um den 10. September die nächste "Sobig"-Variante.