Wall Street ignorierte Stromausfall
Die Wall Street hat den schlimmsten Stromausfall in der US-Wirtschaftsgeschichte und damit die erste große Notstands- Bewährungsprobe seit den Terroranschlägen vom elften September 2001 fast problemlos überstanden.
Am Freitagmorgen zu Handelsbeginn war um 9.30 Uhr Ortszeit die reguläre Stromversorgung der New York Stock Exchange [NYSE] wieder hergestellt.
Einige Investmentbanken hatten allerdings Schwierigkeiten, über die Telefonleitungen zur NYSE und zur NASDAQ durchzukommen. Die Großen führten ihren Wertpapierhandel ansonsten problemlos weiter. Dagegen konnten einige kleinere Wall-Street-Firmen, die ohne solche Notsysteme arbeiten, keine Geschäfte abwickeln.
Die elektronische NASDAQ konnte den Handel mit Hilfe von Notstromaggregaten in ihrem dezentralisierten Computerzentrum in Trumbull [Connecticut] reibungslos abwickeln. Die NASDAQ hat kein Börsenparkett, sondern die einzelnen Investmentbanken sind an ihr elektronisches Computer-Handelssystem über Datenleitungen angeschlossen.
Internet vom Stromausfall unbeeindrucktBloomberg rüffelt Telekoms
Der Umsatz war an der NYSE, dem weltgrößten Aktienmarkt, mit 636 Millionen Aktien der niedrigste des Jahres. Normalerweise werden täglich zwischen zwei und drei Milliarden Aktien umgesetzt. Die American Stock Exchange [AMEX], die drittgrößte New Yorker Börse, nahm am Freitag erst wenige Minuten vor Börsenschluss ihren Handel auf, da die Klimaanlage vorher nicht in Gang gebracht werden konnte.
Bürgermeister Michael Bloomberg rüffelte Telekoms und Mobilfunkianbieter im Allgemeinen und im Besonderen Verizon, deren Netzwerk durch Überlastung teilweise zusammengebrochen war, wegen ungenügender Notfall-Reserven.
"Während eines Notfalls muss es einfach möglich sein, einen Telefonanruf zu tätigen", mahnte Bloomberg und forderte die Unternehmen zu Konsequenzen auf. Am Freitag gab es bei Verizon und anderen immer noch Probleme, Langstreckengespräche durchzuschalten.
Spekulationen über Blackout-UrsacheSpitzen um plus 250 Prozent
Die Telefonie-Verkehrsspitze lag direkt nach dem Ausfall am Donnerstag Abend um 250 Prozent über dem normalen Level. Laut AT&T und MCI betrug der gesamte Traffic im Schnitt plus 25 bis 30 Prozent.
Das Netz von T-Mobile USA war am Freitag nur zu 70 Prozent verfügbar, die Puffer-Baterrien leerten sich rascher, als Notstromaggregate herbeigeschafft werden konnten.
