Internet vom Stromausfall unbeeindruckt
Der größte Stromausfall in der US-Geschichte, der am Donnerstag [Ortszeit] den Nordosten der Vereinigten Staaten und den Süden Kanadas lahm legte, hat so gut wie keine Auswirkungen auf die Funktion des Internets gehabt.
Die Internet-Infrastruktur in der wichtigen Region, die Server-Center, in denen wichtige Websites gehostet werden, und viele große Firmennetzwerke wurden von den dafür vorgesehenen Notstromversorgungen problemlos am Laufen gehalten.
Sprecher von AT&Ts Global Network Operations Center und Cable & Wireless, die zusammen einen große Teile des internationalen Netzverkehrs abwickeln, sagten, dass ihre Back-Up-Systeme jeweils problemlos die Ausfälle überbrücken konnten und der Blackout keine Auswirkungen auf die Internet-Backbones gehabt habe.
Ein Manager von der Web-Monitoring-Firma Keynote Systems erklärte, dass die Notstrom-Generatoren der wichtigen Daten-Center und der Internet-Knotenpunkte sogar problemlos einen Stromausfall von zwei oder drei Tagen überbrücken könnten.
Unterdessen überstanden auch die große Nachrichten-Seiten den Ansturm der informationshungrigen Öffentlichkeit außerhalb des Blackout-Gebietes ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Rund 50 Millionen Menschen waren ohne Elektrizität, neun Atomkraftwerke wurden abgeschaltet, und der Verkehr brach zusammen. In New York wurden zahlreiche Menschen in Angst versetzt, als Aufzüge und U-Bahnen stecken blieben.
Mehr zum Thema bei ORF.atBörsen unbeeindruckt
Die New Yorker Börse, die zum Zeitpunkt des Stromausfalls bereits geschlossen hatte, hat am Freitag den Handel zur gewohnten Zeit wieder aufgenommen. Die Börse und die Nasdaq verfügen über Notstromaggregate.
Es seien keine Daten der Handelssitzung vom Donnerstag verloren gegangen, sagte ein Sprecher der Börse. Die Terminkontrakte deuteten auf eine schwächere Eröffnung der US-Aktienmärkte.
Da am Freitag alles wieder funktioniert, hat der Stromausfall keine größeren Folgen an der Wall Street, sagte die Vermögensverwalterin Janna Sampson von OakBrook Investments. "Nur je länger es dauert, umso schlimmer wird es. Dann bekommt man Liquiditätsprobleme, weil man kein Geld mehr bewegen kann."
Der frühere US-Energieminister Bill Richardson kritisierte im US-Nachrichtensender CNN, die Supermacht USA habe "das Energiesystem eines Dritte-Welt-Staates". Experten kritisieren seit geraumer Zeit, dass das mehrheitlich von Privatunternehmen betriebene US-Stromnetz veraltet sei.
"Energiesystem eines Dritte-Welt-Staates"Münztelefone und Pager statt Handy
Während des Blackouts waren auch die Mobilfunknetze weitgehend ausgefallen und so bildeten sich schnell lange Schlangen vor öffentlichen Münz- und Kartentelefonen.
Waren Taschenlampen nicht zur Hand, versuchte man mit der spärlichen Beleuchtung des MP3-Player- oder Handy-Displays in Gebäuden den Weg zum nächsten Festnetz-Telefon zu finden.
Auch die längst aus der Mode gekommenen Pager feierten in dieser Nacht ihr Revival. Besitzer der veralteten Piepser wurden man von Verwandten und Bekannten in nicht betroffenen Bundesstaaten mit den neuesten Entwicklungen zum Stromausfall am laufenden gehalten.
Wilde Wurm-Spekulationen
Sofort nach Beginn des Blackouts wurde in vielen Medien über
einen Zusammenhang mit dem Wurm "MSBlaster" spekuliert, der im Laufe
dieser Woche zehntausende Windows-Systeme befallen hat. US-Experten
schließen den Wurm als Ursache jedoch aus.
Spekulationen über Black-Out-Ursache
