München kein Desktop-Sieg für Linux
Ende Mai gab München als erste deutsche Großstadt den Umstieg der Stadtverwaltung auf die Open-Source-Software Linux bekannt.
Diese Absage an das marktdominierende Microsoft-Betriebssystem wurde von Befürwortern als Zeichen für größere Hersteller-Unabhängigkeit und als weiterer Schritt von Linux in Richtung Desktop bejubelt.
Die Martkforscher von Gartner sind jedoch ganz anderer Meinung. Demnach sei der Münchner Entscheid keineswegs als Durchbruch für Linux im Desktop-Bereich zu werten, da man in München trotzdem weiter auf Windows-Anwendungen setzen werde.
München lässt sich Umstieg 30 Mio. Euro kosten
Die Kosten der mehrere Jahre dauernden Umstellung in München
werden einschließlich Personal- und Schulungskosten auf knapp 30
Millionen Euro taxiert.
München steigt auf Linux umLinux-Desktops sollen unter Windows laufen
Da in München derzeit noch sehr veraltete Windows-Systeme, teilweise sogar Windows 3.1, die Rechner dominieren, sei eine Umstellung auf Linux zwar grundsätzlich mit dem selben finanziellen Aufwand wie eine Umstellug auf das aktuelle Windows XP zu schaffen.
Doch auf einem Großteil der 14.000 Rechner sollen laut Gartner auch nach der Umstellung angeblich benötigte Windows-Anwendungen unter dem Windows-Emulator VMWare weiterlaufen.
Damit werde die erhoffte Unabhängigkeit wie auch der Einspareffekt durch Linux wieder zunichte gemacht und eine reine MS-Lösung wäre doch wesentlich günstiger ausgefallen.
Erst Ende 2005 ließen sich laut den Analysten genauere Aussagen darüber treffen, ob Linux schon reif für den Desktop-Betrieb ist bzw. mit welchen Kosten die Münchner Migration tatsächlich verbunden war.
Der Gartner-BerichtAuch Wien will Umstieg durchrechnen
Am Beispiel Münchens forderten auch die Grünen eine Prüfung des Umstiegs der Wiener Stadtverwaltung auf Open Source.
In der Wiener Stadtverwaltung, deren 70.000 Mitarbeiter auf über 10.000 PCs arbeiten, kommen derzeit noch die veralteten Windows-Versionen 95 und NT zum Einsatz.
Neben Windows 2000 läuft auf einem Großteil der Server der Stadt schon jetzt quelloffene Software wie Linux und BSD.
Im September soll entschieden werden, ob es zur verlangten Prüfung auch kommt.
In Wien wird Microsoft Exchange jedoch nicht nur als reines Mail-System betrieben, sondern ist flächendeckend für "Messaging und Collaboration" im Einsatz. Das heißt, es ist weit tiefer in den Arbeitsabläufen verankert, als bloße E-Mail. Dem entsprechend wird seine Ersetzung durch ein auf Linux/BSD Äquivalent ungleich schwieriger zu argumentieren sein, als etwa in München.
Warum Wien Windows bleiben wird
