Kleinwalsertal will Schadenersatz von DT
Der Kampf des Kleinwalsertales um seine historischen Sonderrechte geht in diesen Tagen in die entscheidende Phase.
Denn die Deutsche Telekom fühlt sich für die Region nicht mehr verantwortlich und plant eine Aufhebung der "deutschen" Telefonnummer für das österreichische Tal.
Wenn die Deutsche Telekom [DT], wie geplant, am 1. Juli die Vorwahlnummer "08329" für die österreichische Enklave abschaltet, will die Gemeinde Mittelberg die Deutsche Telekom auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen.
Einstweilige Verfügung abgeblitzt
Den sofortigen Erlass einer Einstweiligen Verfügung, die eine
Abschaltung verhindern sollte, hatte ein deutsches Landgericht in
der vergangenen Woche abgelehnt.
Weiter Streit um Vorwahl im KleinwalsertalTourismusbetriebe fürchten Millionenschäden
Den Sonderstatus, dass das Kleinwalsertal sowohl über eine österreichische, als auch über die deutsche Vorwahl erreichbar ist, wollten die beiden Telefongesellschaften aus wirtschaftlichen Gründen bereits im September vergangenen Jahres aufheben.
Seitdem kämpfen vor allem Politiker und Tourismusbetriebe um die deutsche Vorwahl. Für die österreichische Gemeinde wäre der Wegfall nach eigenen Angaben eine Katastrophe.
"Wir befürchten Millionenschäden, weil wir unter der gewohnten Nummer nicht mehr erreichbar sind", sagt Werner Strohmaier [FPÖ], Bürgermeister von Mittelberg.
Das Kleinwalsertal lebt überwiegend vom Tourismus, den wiederum fast ausschließlich Urlauber aus Deutschland ausmachen.
Abschaltung für 1. Juli geplant
Mit den fünf Ziffern "08329" gelangten deutsche Telefonkunden
bisher ins österreichische Kleinwalsertal, ohne die Landesvorwahl
eintippen zu müssen. Vom 1. Juli an sollen deutsche Telefonkunden
unter dieser Vorwahl allerdings nur mehr eine Bandansage erreichen,
die auf die umstrittene Umstellung hinweist.
Kleinwalsertal kämpft weiter mit TA"Keine Kunden der Deutschen Telekom"
Seit dem Zollanschlussvertrag aus dem Jahr 1891 haben die rund 5.000 Einwohner des Kleinwalsertals, das von österreichischer Seite nur schwer zugänglich ist, einen Sonderstatus. Früher bezahlte man hier mit D-Mark statt in Schilling.
"Wir sind immer noch deutsches Wirtschaftsgebiet", sagt Werner Strohmaier. Selbst bei der Währungsumstellung bekamen die Bürger deutsche statt österreichische Euromünzen in die Hand.
Beim Europäischen Gerichtshof hat die Gemeinde eine Beschwerde wegen Diskriminierung eingelegt.
"Das sind keine Kunden der Deutschen Telekom", kontert der Pressesprecher der DT, Walter Genz. Früher sei diese Lösung mit dem Anschluss an das deutsche Telefonnetz sinnvoll gewesen, weil die technischen Möglichkeiten nichts Anderes zugelassen hätten.
Inzwischen habe sich die Infrastruktur aber gewandelt.
