Siemens-Aktionäre begehren auf

Misstrauen
27.12.2006

Aktionäre wollen Vorstand Entlastung verweigern

"Es ist nicht hinnehmbar, dass der Handy-Bereich verramscht, den Mitarbeitern eine angebliche Beschäftigungsgarantie vorgetäuscht, alle Vorsicht eines ordentlichen Kaufmanns für die Mitarbeiter außer Acht gelassen wurde", begründet der Verein der Belegschaftsaktionäre seinen Antrag zur Nichtentlastung des Vorstands.

"Beispielloser Vertrauensschaden"

Insgesamt sei für die Firma ein beispielloser Vertrauensschaden entstanden, kritisieren die Belegschaftsaktionäre.

Siemens hatte im Herbst 2005 seinen Mobiltelefonbereich an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ abgegeben. Ein Jahr später überließen die Asiaten die einstige Siemens-Handysparte der Insolvenz. Rund 3.000 Arbeitsplätze sind dadurch akut gefährdet.

Betroffen ist auch die Österreich- und Osteuropa-Vertriebstochter von BenQ. Wie es mit BenQ Mobile CEE weitergeht, soll sich Ende Jänner entscheiden.

Kritik an Erhöhung der Vorstandsbezüge

Auch den Aufsichtsrat wollen die Belegschaftsaktionäre nicht entlasten. Es sei für die Anteilseigner nicht akzeptabel, dass das Kontrollgremium die Vorstandsbezüge um 30 Prozent erhöht habe, Siemens aber zugleich in vielen Bereichen Personal abbaue und Mitarbeiter zum Lohnverzicht zwinge.

"Aufsichtsrat an Korruptionsaffäre mitschuldig"

"Auch zu den Vorgängen um BenQ und zur offensichtlich mangelhaften Umsetzung der Business-Guidelines zur Verhinderung von Korruption trifft den Aufsichtsrat eine Mitschuld", heißt es in dem Schreiben.

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund ein Dutzend Beschuldigte, die nach Angaben der Ermittler rund 200 Millionen Euro veruntreut und als Schmiergeld eingesetzt haben sollen. Siemens überprüft derzeit zweifelhafte Zahlungen über 420 Millionen Euro.

Breiter Widerstand gegen Entlastung

Auch andere Aktionärsverbände wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger [SdK] und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz [DSW] haben Widerstand gegen die Entlastung zumindest einzelner Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder angekündigt.

Anträge für die Hauptversammlung Ende Jänner liegen bisher allerdings nicht vor.

(Reuters)