Alle Beschuldigten in Siemens-Affäre frei

Vorerst
22.12.2006

Alle Beschuldigten im Siemens-Korruptionsskandal sind aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Tatverdacht der Untreue wurde erhärtet.

Die Haftbefehle gegen den weiter dringend tatverdächtigen ehemaligen Konzernvorstand Thomas Ganswindt und die vier weiteren Verdächtigen seien gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, erklärte der zuständige Staatsanwalt in München.

Auswertung beginnt

Siemens und alle Beschuldigten hätten sich kooperationsbereit gezeigt. Die Vernehmungen der Beschuldigten und Zeugen seien zunächst abgeschlossen. Die Beschuldigten hätten umfassende Aussagen gemacht, die den Verdacht der Schwarzkonten erhärtet hätten.

In den kommenden Wochen stünden die Bewertung der Aussagen und die Auswertung der sichergestellten Unterlagen an.

Nach Angaben von Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte eine Gruppe von Siemens-Managern in der Telekommunikationssparte von 1999 bis 2006 dubiose Zahlungen über 420 Mio. Euro geleistet.

Kleinfelds Ansehen sinkt

Unter der Affäre hat auch das Ansehen von Siemens-Chef Kleinfeld gelitten. Nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung Marketing Corporation unter 1.000 deutschen Führungskräften landete er mit der Note 3,9 auf dem letzten Platz unter den Konzernchefs.

Kleinfeld "hat schwere kommunikative Fehler gemacht, die sich jetzt niederschlagen", erklärte Manfred Niedner, Chef von Marketing Corporation.

Das beziehe sich allerdings weniger auf die Affäre um schwarze Kassen oder die BenQ-Pleite als auf Ereignisse wie die Erhöhung der Vorstandsgehälter um 30 Prozent.

(APA | dpa | Reuters)