Die heurigen Preisträger der Ars Electronica

NICAS
27.05.2009

In Pflanzen implantierte menschliche Gene, ein begehbarer Sturm, eine Community kolumbanischer Blogger und eine visuelle Annäherung der anderen Art an Hockey-Spiele zählen zu den Preisträgern des Prix Ars Electronica.

3.017 Arbeiten aus 68 Ländern wurden beim Prix Ars Electronica eingereicht. Aus diesen wurden von einer internationalen Jury die Gewinner in acht Kategorien mit Preisen im Gesamtwert von 122.500 Euro gekürt, gaben die Veranstalter am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Linz bekannt.

Die Verleihung erfolgt während des heurigen Festivals (3. bis 8. September), das sich zu seinem 30-jährigen Bestehen der "Human Nature" widmet.

Gentransfer von Mensch auf Pflanze

Der US-Künstler Eduardo Kac hat sich im wahrsten Sinne des Wortes "pflanzen" lassen: Er hat eines seiner Gene in eine Pflanze übertragen und so aus einer Petunie eine "Edunia" geschaffen. Für dieses Mischwesen zwischen Mensch und Blume erhält Kac heuer eine Goldene Nica.

"Natural History of the Enigma" nennt Kac sein Projekt, das die Nica in der Kategorie "Hybrid Art" erhält. Der Künstler thematisiert mit seiner Genverpflanzung den gemeinsamen Ursprung allen Lebens. Denn die von Kac in einen fremden Lebenskörper transferierte Gensequenz ist ausgerechnet für das Erkennen von Fremdkörpern zuständig.

Ruhe im Sturm erleben

Wem ganz reale Unwetter nicht geheuer sind, der kann sich im "Nemo Observatorium" des Belgiers Lawrence Malstaf ins Auge eines künstlichen Sturms wagen: Fünf Ventilatoren füllen einen begehbaren Zylinder aus PVC mit Windböen, Tausende Styroporschnipsel machen die Kraft des Windes sichtbar. Der Besucher steht jedoch in der Installation, die in der Kategorie "Interactive Art" ausgezeichnet wurde, sicher und kann mitten im Chaos Ruhe finden.

Sport einmal anders betrachtet

Wer Eishockey-Übertragungen zu schnell und unübersichtlich findet, der ist bei "HA'Aki" der schwedisch-kanadischen Filmemacherin Iriz Pääbo richtig. Die in der Kategorie "Animation" ausgezeichnete Arbeit zeigt weniger den Ablauf eines Spieles, vielmehr in einer stilisierten Bildsprache die emotionalen Abläufe, die Verkürzungen von Räumen und die unterschiedlichen Zeitwahrnehmungen, die den Sport begleiten.

Klangwolken auf der Spur

Der Klangküstler Bill Fontana versucht mit "Speeds of Time Versions 1 and 2" die Ausbreitung des Glockenklangs von "Big Ben" nachvollziehbar zu machen. Mit einem Netzwerk an Mikrofonen zeichnet er ein räumliches Bild der Klangwellen und ihrer allmählichen Verformungen im ständigen Rauschen Londons. Dafür bekommt er die Nica im Bereich "Digital Musics".

Bürgerinitiativen, Musikforschung, Nachwuchs

In der Kategorie "Digital Communities", die sich mit online geformten Bürgerinitiativen, politischen Bewegungen oder anderen sozialen Plattformen auseinandersetzt, wurde eine kolumbianische Blog-Plattform ausgezeichnet: HiperBarrio hat sich sowohl lokal als auch im internationalen Umfeld etabliert.

Der heurige "Media.Art.Research Award" geht an den Kunsthistoriker Simon Shaw-Miller, der sich unter dem Titel "Eye hEar: Music, Art, Film & the Culture of Synesthesia" mit den visuellen Aspekten von Musik beschäftigt.

Den Nachwuchspreis "u19 - freestyle computing" erhält Matej Petrek für "In den Tiefen". Und das Stipendium zur Verwirklichung einer Idee - "the next idea" - bekommt die "Open_Sailing_Crew", die den vom Menschen verursachten Katastrophen mit Do-it-yourself-Technologien begegnen will.

Mehr zum Thema:

~ Link: Neues Linzer Ars Electronica Center eröffnet (../http://www.fuzo-archiv.at/?id=1501355v2) ~

(APA)