Die Preisträger der Ars Electronica
Politische Ideen, die direkt auf die Wolken am Himmel projiziert werden, und ein Wiki, das China-Reisende dazu animieren will, ein Kilogramm ihres Fluggepäcks für dringend benötigte Schulbücher bereitzustellen, zählen zu den Preisträgern der heurigen Goldenen Nicas.
Die Preise des Linzer Computerkunst-Festivals werden in sieben Kategorien vergeben und sind mit insgesamt 115.000 Euro dotiert. 3.075 Arbeiten aus 62 Ländern seien eingereicht worden, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Linz.
Geld und Gedanken
Verliehen werden die Nicas am 5. September im Rahmen des heurigen Festivals [4. bis 9.9.], das sich unter dem Motto "A New Cultural Economy" mit den Grenzen des "geistigen Eigentums" in den neuen Realitäten der Informationsgesellschaft auseinandersetzt.
Bei dem Festival werden u. a. Pioniere jener "Sharing Economy" präsentiert, die derzeit die gängigen Ansichten über "geistiges Eigentum" auf den Kopf stellt und den immer stärkeren Einfluss des Konsumenten in wirtschaftlich einträgliche Formen bringen will.
In einem offenen Labor im Brucknerhaus kann auch gleich zur Tat geschritten werden: Besucher können Ideen darbringen, die von Künstlern bei "Open Frames" direkt umgesetzt werden. Gespräche mit Landwirten [die ihre Produkte beim Festival verkaufen] zeigen, was die globale Wirtschaftsexpansion aus "Former Farmlands" [also ehemaligen landwirtschaftlichen Gegenden] und alten Traditionen macht.
Einen speziellen Überblick gilt es über die Medienkunstszene Sloweniens. Und das zentrale Symposium der Ars wird heuer von dem japanischen Internet-Veteranen Joi Ito geleitet.
Schulbücher für China
Die Nicas werden im Rahmen der traditionellen Gala im Brucknerhaus überreicht. Im Bereich "Digital Communities" wird ein Projekt ausgezeichnet, das auf persönlicher Ebene 400.000 Volks- und Mittelschulen im ländlichen Raum Chinas unterstützen will. Es brauchte nur "1 kg more" im Gepäck möglichst vieler Flugreisender, um dringend benötigte Schulbücher nach China zu bringen. Die Plattform, die auch auf Defizite in der chinesischen Schulbildung hinweist, ist eine der bestvernetzten NGOs in China.
Abgas-Propaganda
Mit der Goldenen Nica im Bereich "Hybrid Art" [also Kunst, die sich an der Schnittstelle verschiedener wissenschaftlicher und künstlerischer Disziplinen befindet] wurde ein Projekt ausgezeichnet, das Laser-Forschung, Computerwissenschaften, Elektrotechnik und auch Luftgüteüberwachung zusammenbrachte: Bei "Pollstream - Nuage Vert" werden u. a. Abgaswolken von Industrieanlagen mittels Laserprojektion in grünes Leuchten getaucht, um so auf Umweltproblematiken hinzuweisen. Sechs Jahre brauchte die Entwicklung, im Februar gab es eine Performance in Helsinki.
Musizierende Tische
Wie intuitiv es sein kann, Musik zu machen, beweist der Preisträger der Kategorie "Digital Musics": Das an der Universität Pompeu Fabra [Barcelona] entworfene intelligente Musikinstrument "Reactable", das u. a. Björk auf ihrer jüngsten Welttournee verwendet hat, zeigt auf einem Bildschirm auf einer Tischplatte geometrische Figuren. Berührt, dreht oder bewegt man diese, geben sie sich verwandelnde Klänge wieder.
Tutli-Putli
Die fantasievolle Reise von "Madame Tutli-Putli" [Regie: Chris Lavis und Maciek Szczerbowski], die in einen Nachtzug sowohl ihr gesamtes Hab und Gut als auch die Geister ihrer Vergangenheit mitnimmt, wurde mit der Goldenen Nica im Bereich "Computer Animation" ausgezeichnet.
Digitalfoto-Subversion
Wer fade Familienfotos aufpeppen will, der ist beim "Image Fulgurator" des Deutschen Julius von Bismarck richtig: Genau in dem Augenblick, in dem ein Foto mit Blitz geschossen wird, projiziert dieser eine beliebige Botschaft auf das anvisierte Objekt. Und der Preisträger im Bereich "Interactive Art" gibt dadurch viel Raum für subversive Kommentare.
Digitale Gefühle
Und bei den jungen Medienkünstlern der Kategorie "u19 - freestyle computing" wurde der Animationsfilm "Homesick" von Nana Susanne Thurner ausgezeichnet: Der Film zeigt die Gefühle eines Mädchens nach einem Streit der Eltern.
Den neben den sechs Nicas vergebenen "Media.Art.Research Award" erhält "Interact or Die!", bei dem Interaktionen und Netzwerke in Natur und Technik erforscht werden.
(APA)
