Ex-Siemens-Vorstand Ganswindt verhaftet
Der Korruptionsskandal beim deutschen Technologiekonzern Siemens erreicht die Konzernspitze.
Im Korruptionsskandal bei Siemens wurde Dienstagabend das frühere Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt verhaftet. Ganswindt, der erst im September aus dem Konzern ausgeschieden ist, sei von zwei anderen Beschuldigten schwer belastet worden, berichtet Spiegel Online.
Er wurde wegen dringenden Tatverdachts ins Untersuchungsgefängnis Landsberg gebracht, teilte das bayrische Justizministerium mit.
Korruption offen eingeräumt
Unmittelbar zuvor hatte die Siemens-Führung erstmals jahrelange Korruption im Konzern offen eingeräumt. Zahlungen über 420 Millionen Euro seien als zweifelhaft einzuschätzen, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser in München.
Deshalb müsse die Konzernbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr nachträglich auf 3,03 Milliarden Euro Gewinn nach unten korrigiert werden.
Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sagte, die Konzernspitze sei entschlossen, "diesem Spuk der Korruption bei uns wirklich ein Ende zu machen".
Schon 2004 informiert
Ein inhaftierter ehemaliger Finanzvorstand der Telekom-Sparte Com habe ausgesagt, Ganswindt sei schon weit vor Anfang 2004 über das vermutete Schmiergeldsystem informiert worden und habe es offenbar weiter geduldet.
Ein anderer Beschuldigter habe ausgesagt, er habe Ganswindt geraten, die so genannten Provisionen zu senken, da es sonst strafrechtliche Probleme geben könne.
Ganswindt war 2001 Chef der Siemens-Festnetzsparte geworden und im Oktober 2004 in den Zentralvorstand des Konzerns aufgerückt.
Am Dienstag wurden auch in Ungarn neue Details im Zusammenhang mit dem Siemens-Korruptionsskandal bekannt.
(futurezone | APA)
