10.03.2003

DIPLOMATIE

Bildquelle: un

"UNO-Gate" wird offiziell untersucht

Nachdem die britische Zeitung "The Observer" vor rund zehn Tagen berichtet hatte, dass die USA Telefonate und E-Mails von Delegierten noch unentschlossener UNO-Sicherheitsratsmitglieder angezapft haben sollen, wollen die Vereinten Nationen den Vorfall offiziell und gründlich untersuchen ["Top-Level Investigation"].

Die Information über die Untersuchung soll wiederum der britischen Zeitung am Wochenende direkt aus dem Büro von UNO-Generalsekretär Kofi Annan bestätigt worden sein.

In dem der renommierten britischen Zeitung vorliegenden Memorandum des US-Geheimdienstes National Security Agency [NSA] wurden Agenten des Dienstes angewiesen, die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates zu überwachen, um über deren Abstimmungsabsichten in der Frage eines Irak-Krieges informiert zu sein.

Geheimdienstlerin verhaftet

Des Weiteren berichtet die Zeitung von der Verhaftung einer Mitarbeiterin des "Government Communications Headquarter" [GCHQ], der vorgeworfen wird, Geheimnisse verraten zu haben.

Die Verhaftung nährt die Spekulationen, dass die Informationen des "Observer" von einer britischen Geheimdienstquelle stammen. Britische Dienste sollen schon vor rund einem Monat ihre eigene Regierung durch einen Tipp an die BBC in Erklärungsnot gebracht haben: Damals kam heraus, dass ein britischer Bericht über das irakische Waffenprogramm zu weiten Teilen aus der Abschlussarbeit eines Hochschulabsolventen aus den USA abgeschrieben wurde.

Im Anschluss wurde gemutmaßt, dass sich eine Fraktion im britischen Auslandsgeheimdienst dafür revanchieren wollte, dass die Regierung bestimmte Ergebnisse "bestellt" hatte und dabei die Erkenntnisse des Dienstes zweitrangig waren.

"Autorisierte" Lücke

Wayne Madsen vom "Electronic Privacy Information Centre", der früher einmal für die NSA gearbeitet hatte, äußerte jetzt die Vermutung, dass es sich bei der Weitergabe des Dokuments um eine "autorisierte" Lücke handeln würde, durch die britische und amerikanische Geheimdienstkreise ihre Unzufriedenheit ausdrücken würden.

Die Unzufriedenheit würde vor allem daher stammen, dass sich die jeweiligen Regierungen eine Verbindung des Irak zu al-Qa'ida selbst "kochen" würden.