"UNO-Gate" wird offiziell untersucht
Nachdem die britische Zeitung "The Observer" vor rund zehn Tagen berichtet hatte, dass die USA Telefonate und E-Mails von Delegierten noch unentschlossener UNO-Sicherheitsratsmitglieder angezapft haben sollen, wollen die Vereinten Nationen den Vorfall offiziell und gründlich untersuchen ["Top-Level Investigation"].
Die Information über die Untersuchung soll wiederum der britischen Zeitung am Wochenende direkt aus dem Büro von UNO-Generalsekretär Kofi Annan bestätigt worden sein.
In dem der renommierten britischen Zeitung vorliegenden Memorandum des US-Geheimdienstes National Security Agency [NSA] wurden Agenten des Dienstes angewiesen, die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates zu überwachen, um über deren Abstimmungsabsichten in der Frage eines Irak-Krieges informiert zu sein.
Nach dem vom 31. Jänner datierten Papier sind die Delegationen Angolas, Kameruns und Guineas sowie Chiles, Mexikos und Pakistans Ziel der Abhöraktion.
Das NSA-MemoGeheimdienstlerin verhaftet
Des Weiteren berichtet die Zeitung von der Verhaftung einer Mitarbeiterin des "Government Communications Headquarter" [GCHQ], der vorgeworfen wird, Geheimnisse verraten zu haben.
Die Verhaftung nährt die Spekulationen, dass die Informationen des "Observer" von einer britischen Geheimdienstquelle stammen. Britische Dienste sollen schon vor rund einem Monat ihre eigene Regierung durch einen Tipp an die BBC in Erklärungsnot gebracht haben: Damals kam heraus, dass ein britischer Bericht über das irakische Waffenprogramm zu weiten Teilen aus der Abschlussarbeit eines Hochschulabsolventen aus den USA abgeschrieben wurde.
Im Anschluss wurde gemutmaßt, dass sich eine Fraktion im britischen Auslandsgeheimdienst dafür revanchieren wollte, dass die Regierung bestimmte Ergebnisse "bestellt" hatte und dabei die Erkenntnisse des Dienstes zweitrangig waren.
Bei dem Dokument, auf das sich der "Observer" beruft, handelt es sich um ein Memo an Regionalchefs der NSA sowie einen "befreundeten Dienst". Dabei sollte es sich um einen britischen Dienst handeln, da die NSA hier klassischerweise eng kooperiert, so beim berühmt-berüchtigten "Echelon"-Projekt.
Streit um Irak-"Geheimdossier""Autorisierte" Lücke
Wayne Madsen vom "Electronic Privacy Information Centre", der früher einmal für die NSA gearbeitet hatte, äußerte jetzt die Vermutung, dass es sich bei der Weitergabe des Dokuments um eine "autorisierte" Lücke handeln würde, durch die britische und amerikanische Geheimdienstkreise ihre Unzufriedenheit ausdrücken würden.
Die Unzufriedenheit würde vor allem daher stammen, dass sich die jeweiligen Regierungen eine Verbindung des Irak zu al-Qa'ida selbst "kochen" würden.
Als erstes betroffenes Land hat sich Ende letzter Woche Chile zumindest vorsichtig an einer Aufklärung interessiert gezeigt: "Ich möchte mich mehr darüber informieren", sagte Staatspräsident Ricardo Lagos der Zeitung "El Mercurio". Und ein Staatssekretär im chilenischen Außenministerium erklärte: "Wir sind dabei, den Inhalt dieser Information zu analysieren, und glauben sagen zu können, dass das an die britische Zeitung gelangte Memorandum der Wahrheit entsprechen könnte."
Zaghafte Reaktion auf "UNO-Gate"
