07.03.2003

POLITIK

Bildquelle: NSA

Zaghafte Reaktion auf "UNO-Gate"

Gestern hat sich erstmals ein betroffenes Land "ernsthaft" zu den Spionagevorwürfen gegen die USA geäußert.

Nachdem die britische Zeitung "The Observer" am Wochenende berichtet hatte, dass die USA Telefonate und E-Mails von Delegierten noch unentschlossener UNO-Sicherheitsratsmitglieder angezapft haben sollen, hat sich jetzt Chile zumindestens vorsichtig an einer Aufklärung interessiert gezeigt:

"Ich möchte mich mehr darüber informieren", sagte Staatspräsident Ricardo Lagos der Zeitung "El Mercurio". Und ein Staatssekretär im chilenischen Außenministerium erklärte: "Wir sind dabei, den Inhalt dieser Information zu analysieren, und glauben sagen zu können, dass das an die britische Zeitung gelangte Memorandum der Wahrheit entsprechen könnte."

Alles normal

"El Mercurio" will zudem aus dem chilenischen Außenministerium erfahren haben, dass dort davon ausgegangen wird, dass der Bericht des "Oberver" authentisch ist.

Die US-Regierung verweigerte bisher schlicht jegliche Stellungnahme, dementierte den Bericht allerdings somit auch nicht.

Der russische UNO-Botschafter Sergej Lawrow findet den kolportierten Lauschangriff schlicht selbstverständlich als "Teil des Spiels".

Etwas aufgeregter, aber offensichtlich ebenfalls nicht sonderlich interessiert sagte der bulgarische Vetreter Stefan Tafrow am Montag, es sei eine "Ehre", abgehört zu werden, oder anders herum, es wäre ein Affront, nicht unter NSA-Beobachtung zu stehen.