17.01.2003

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Bildquelle: TW

Größter Medienkonzern mit neuem Chef

Der Chef von AOL Time Warner, Richard Parsons, besetzt künftig beide Leitungsposten bei dem weltweit größten Medienkonzern.

Parsons werde ab 16. Mai auch Verwaltungsratsvorsitzender [Chairman] des Unternehmens, teilte AOL Time Warner am Donnerstag mit. Er übernimmt den neuen Posten von AOL-Gründer Steve Case, der vor einigen Tagen seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Case hatte AOL Time Warner vor drei Jahren durch die Fusion des weltgrößten Internet-Anbieters mit dem Medienunternehmen Time Warner geschmiedet. Seither hat das Unternehmen vor allem wegen der Probleme von AOL massiv an Wert verloren.

Kritiker fordern Doppelspitze

Parsons kündigte an, er wolle den Wert des Unternehmens für Kunden und Aktionäre steigern. "Ich werde das außerordentliche Potenzial von AOL Time Warner ausweiten", hieß es in einer Erklärung.

Kritiker hatten angesichts der jüngsten Bilanzskandale in den USA im Vorfeld darauf gedrängt, die beiden Chefposten getrennt zu besetzen. Nur durch die gegenseitige Kontrolle von Unternehmenschef und Aufsichtsratschef könne das Management insgesamt besser überwacht werden, hieß es.

AOL Time Warner hielt dem entgegen, auch künftig werde es "starke Maßnahmen der Unternehmensführung" ergreifen; dazu gehörten beispielsweise Direktorentreffen ohne Teilnahme von Management und Unternehmensführung.

Manager mit den "saubersten Händen"

Die einstimmige Wahl des derzeitigen CEO zum Vorstandsvorsitzenden kommt nicht unerwartet und festigt den Einfluss Parsons.

Einige Strukturprobleme hat Parsons seit seinem Antritt als CEO im Mai vergangenen Jahres bereits beseitigt, beispielsweise die Bereinigung der Verflechtungen mit AT&T. Im Konzern herrscht die Meinung, Parsons habe seinen Job als CEO bisher gut gemacht. Sein Managementansatz sei konservativ.

Die 90er Jahre seien eine "Dekade der Deals" gewesen, zitiert die "New York Times" Parsons, "nun müssen wir die Assets managen". Vor allem AOL ist so ein Asset, eines, das nicht mehr so glänzt wie in den 90er Jahren.

Das Geschäft der Internet-Sparte wieder auf den richtigen Weg zu bringen sei seine wichtigste Aufgabe. Sollte das bis Ende des Jahres nicht gelingen, sei die Möglichkeit einer Trennung laut "NYT" nicht unwahrscheinlich.