Größter Medienkonzern mit neuem Chef
Der Chef von AOL Time Warner, Richard Parsons, besetzt künftig beide Leitungsposten bei dem weltweit größten Medienkonzern.
Parsons werde ab 16. Mai auch Verwaltungsratsvorsitzender [Chairman] des Unternehmens, teilte AOL Time Warner am Donnerstag mit. Er übernimmt den neuen Posten von AOL-Gründer Steve Case, der vor einigen Tagen seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Case hatte AOL Time Warner vor drei Jahren durch die Fusion des weltgrößten Internet-Anbieters mit dem Medienunternehmen Time Warner geschmiedet. Seither hat das Unternehmen vor allem wegen der Probleme von AOL massiv an Wert verloren.
Case will jedoch Mitglied des Aufsichtsgremiums und gemeinsamer Leiter des Strategieausschusses im Verwaltungsrat bleiben.
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Parsons kündigte an, er wolle den Wert des Unternehmens für Kunden und Aktionäre steigern. "Ich werde das außerordentliche Potenzial von AOL Time Warner ausweiten", hieß es in einer Erklärung.
Kritiker hatten angesichts der jüngsten Bilanzskandale in den USA im Vorfeld darauf gedrängt, die beiden Chefposten getrennt zu besetzen. Nur durch die gegenseitige Kontrolle von Unternehmenschef und Aufsichtsratschef könne das Management insgesamt besser überwacht werden, hieß es.
AOL Time Warner hielt dem entgegen, auch künftig werde es "starke Maßnahmen der Unternehmensführung" ergreifen; dazu gehörten beispielsweise Direktorentreffen ohne Teilnahme von Management und Unternehmensführung.
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen möglicher Bilanztricks bei AOL Time Warner interessiert sich die US-Börsenaufsicht SEC auch für die auffällig positiven Unternehmensmeldungen im IT-Krisenjahr 2001 und deren Profiteure.
Betrugsverdacht gegen Top-ManagementManager mit den "saubersten Händen"
Die einstimmige Wahl des derzeitigen CEO zum Vorstandsvorsitzenden kommt nicht unerwartet und festigt den Einfluss Parsons.
Einige Strukturprobleme hat Parsons seit seinem Antritt als CEO im Mai vergangenen Jahres bereits beseitigt, beispielsweise die Bereinigung der Verflechtungen mit AT&T. Im Konzern herrscht die Meinung, Parsons habe seinen Job als CEO bisher gut gemacht. Sein Managementansatz sei konservativ.
Die 90er Jahre seien eine "Dekade der Deals" gewesen, zitiert die "New York Times" Parsons, "nun müssen wir die Assets managen". Vor allem AOL ist so ein Asset, eines, das nicht mehr so glänzt wie in den 90er Jahren.
Das Geschäft der Internet-Sparte wieder auf den richtigen Weg zu bringen sei seine wichtigste Aufgabe. Sollte das bis Ende des Jahres nicht gelingen, sei die Möglichkeit einer Trennung laut "NYT" nicht unwahrscheinlich.
Der 54-jährige Parsons ist schon lange Topmanager des Konzerns. Nach der Fusion mit AOL spielte er die zweite Geige neben Robert W. Pittman. Bei den Verhandlungen des Megadeals stand er nicht im Zentrum. Nachdem die Erwartungen der Elefantenhochzeit nicht erfüllt wurden, sei er der Topmanager mit den "saubersten Händen", so die "NYT".
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