Microsoft installiert Überwachungsgremium
Der Verwaltungsrat von Microsoft hat einen aus drei seiner Mitglieder bestehenden Kartellrechts-Überwachungsausschuss gebildet.
Der Ausschuss soll sicherstellen, dass Microsoft sich an die gerichtlichen Auflagen zum Abschluss des Kartellverfahrens zwischen neun amerikanischen Bundesstaaten und dem Software-Riesen hält.
Richterin Colleen Kollar-Kotelly in Washington hatte vor wenigen Tagen die Bildung des Überwachungsausschusses angeordnet. Ihm dürfen keine derzeitigen oder früheren Microsoft-Mitarbeiter angehören.
Die Richterin hatte in dem Kartellverfahren die von neun klagenden US-Bundesstaaten geforderten härteren Wettbewerbssanktionen gegen den weltgrößten Softwarekonzern weitgehend abgelehnt. Sie hatte stattdessen dem zwischen der Kartellabteilung des US- Justizministeriums und Microsoft ausgehandelten kartellrechtlichen Vergleich fast völlig zugestimmt und hatte nur geringe zusätzliche Auflagen angeordnet. Das war von Rechtsexperten als eindeutiger Sieg des Software-Branchenführers gewertet worden.
Richterin stimmt Microsoft-Kompromiss zuDer Ausschuss
Vorsitzender des Überwachungsgremiums wird Microsoft-Verwaltungsratsmitglied James I. Cash, ein Professor an der Harvard Business School.
Daneben wurden Raymond Gilmartin, der Konzernchef des Pharma-Riesen Merck & Co, sowie die frühere US-Arbeitsministerin Ann McLaughlin Korologos in den Ausschuss berufen. Sie sitzen beide im Microsoft-Verwaltungsrat.
Das Gremium muss jetzt einen festen Mitarbeiter anheuern, der die Überwachung durchführt. Er muss dem Ausschuss und Microsoft-Chef Steve Balmer direkt Bericht erstatten.
Rechtsanwälte, die im Microsoft-Prozess die klagenden US-Bundesstaaten vertreten, haben gestern aus Kostengründen von einer Berufung abgeraten.
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Der Microsoft-Verwaltungsrat nehme die Verantwortung "sehr ernst" und wolle die gerichtlichen Auflagen voll einhalten, versicherte er.
Es wurde auch auf die bedeutende Rolle verwiesen, die das US- Justizministerium und jeder der neun Justizminister der Bundesstaaten spiele, um die Einhaltung der gerichtlichen Anordnungen zu überwachen.
Microsoft-Verwaltungsratsvorsitzender Bill Gates hob hervor, dass das Unternehmen von der Regierung und den Konkurrenten genau unter die Lupe genommen werde.
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