"Nun wird uns massiv auf die Finger geguckt"
Ein amerikanisches Bezirksgerichts hat am Freitag den zwischen Microsoft, der Bundesregierung und neun Bundesstaaten erzielten Vergleich genehmigt.
de.internet.com hat aus diesem Anlass gestern mit Thomas Baumgärtner, Sprecher Microsoft Deutschland gesprochen und wollte dabei wissen, wie der Konzern die Entscheidung bewertet.
Richterin stimmt Microsoft-Kompromiss zu"Erheblicher Einschnitt ins Geschäftsgebaren"
de.internet.com: "In ersten Reaktionen auf die gestrige Entscheidung im Kartellrechtsprozess gegen Microsoft hat Jon von Tetzchner, CEO des norwegischen Browser-Entwicklers Opera, gesagt das 'Microsoft zwar wegen Behinderung des Wettbewerbs verurteilt wurde, es aber keine Bestrafung' gebe. Sie sprechen dagegen davon, dass der Vergleich für Microsoft ein harter, jedoch fairer Kompromis sei. 'Hart' inwiefern, Herr Baumgärtner?"
Thomas Baumgärtner: "Das Urteil bedeutet schon einen erheblichen Einschnitt in unser Geschäftsgebaren. Das betrifft auch die Beziehung zu unseren OEM-Kunden, also den PC-Anbietern. Unter den Top 20 sind wir nun gezwungen, allen die gleichen Rabattstaffeln zu gewähren. Das lief früher anders, weil das Sachen sind, bei denen sich ein Unternehmen erst mal so gar nichts denkt.
Wir müssen auch die Schnittstellen zur Verwendung unserer APIs weitgehend offen legen, wo wir dann nicht sicher sein können, ob diese nicht missbräuchlich genutzt werden."
Die Stationen im MS-Kartellverfahren"Gefahr der Steigbügelhalterei"
de.internet.com: "Aber von einer Entwicklung von Konkurrenzprodukten, die ihre Software aus dem Markt drängen, ist auf diesem Wege doch wohl kaum auszugehen."
Thomas Baumgärtner: "Es gibt da schon eine Gefährdung. Zum Beispiel bei den Algorithmen des Authentifizierungs-System Kerberos, die Version 4.0 ist ja in Open Source-Programmen und Linux fehlerhaft, während unser Modul das nicht ist. Das ist ein schwieriges Gebiet, denn unsere Algorithmen sind nur dadurch geschützt, das sie kompiliert sind. Und den Verwendungszweck unseres offengelegten Codes können wir ja nicht nachprüfen, wodurch wir Gefahr laufen, Steigbügelhalterei zu betreiben."
EU-Kartellverfahren wartet auf MicrosoftUSA "kein Entwicklungsland"
de.internet.com: "Insgesamt hat sich mit der richterlichen Entscheidung doch wieder einmal nur das herrschende Monopol durchgesetzt. Hat nicht die Bush-Regierung eine monopolfreundliche Entscheidung besonders massiv betrieben?"
Thomas Baumgärtner: "Es mag so aussehen. Ich sehe das nicht so, denn es wird hierzulande immer so getan, als ob es so etwas wie Gewaltenteilung nur in Deutschland, nicht aber in den USA gibt. Das ist kein Entwicklungsland, wo richterliche Entscheidung nach dem Willen der Regierung gefällt werden.
Uns ist bewusst, dass wir unter strenger Beobachtung der Regierung und unserer Wettbewerber stehen werden. Wir werden die erforderliche Zeit, Energie und Mittel aufbringen, um sicherzustellen, dass wir unseren Verpflichtungen gerecht werden. Wie keinem anderen Unternehmen wird uns nun massiv auf die Finger geguckt."
Bush in der Microsoft-ZwickmühleWeitere Freigaben
de.internet.com: "Eine Forderungen des jetzt verabschiedeten Kompromisspapiers mit dem US-Justizministerium haben sie ja bereits umgesetzt. Mit dem Service Pack 1 für das Betriebssystem Windows XP bietet Microsoft erstmals die Option, die festinstallierte Programmkomponenten, die sogenannten Middleware, wie den Internet Explorer und Media Player individuell zu deinstallieren. Sind hier weitere Schritte geplant?"
Thomas Baumgärtner: "Das muss man sehen, aber das Ende der Fahnenstange ist hier sicherlich noch nicht erreicht. Wir müssen nun auch die 113 Protokolle für die Schnittstellenentwicklung freigeben, wobei wir streng überwacht werden."
