"TA sabotiert alternative Investitionen"
Nachdem es in den letzten Wochen im Zusammenhang mit der Ernennung eines neuen Telekom-Regulators unter Österreichs alternativen Providern schon zu erheblichen Missstimmungen gekommen war, wirft jetzt der Wiener Provider Inode der Telekom Austria vor, "die Entstehung einer unabhängigen Infrastruktur regelrecht zu sabotieren".
Dabei geht es um die Erstellung von entbündelten Leitungen auf der "letzten Meile" zum Kunden, also von der TA unabhängigen Leitungen.
Inode ist einer aktivsten "Entbündeler" in Österreich und wirft der TA vor, nach einer bislang schon schleppenden Abwicklung der nötigen Maßnahmen zur Bereitstellung entbündelter Leitungen seit zwei Wochen eine "Blockadepolitik" zu verfolgen, die "alternative Investitionen verhindert, bzw. bereits erfolgte Investitonen in der Größenordnung von mehreren Hunderttausend Euro lahm legt".
Brancheninsider haben der fuZo unterdessen berichtet, dass die kolportierte "Blockadepolitik" nicht nur Inode, sondern alle Entbündler betrifft.
Die Entbündelung der "letzten Meile"Auch TA fordert Investionen
Als besonders "skandalös" empfindet es Inode-Geschäftsführer Michael Gredenberg, dass die TA "noch vor zwei Wochen feststellt, dass die alternativen Netzbetreiber nicht investieren, und nun all denen, die dies in Wirklichkeit doch tun, den Hahn abdreht".
TA-Vorstand Rudolf Fischer hatte im Rahmen eines Pressegesprächs gefordert: "Wir müssen eine Regierungspolitik haben, die Investitionen fördert.
[So, wie das läuft,] funktioniert das nur, wenn man von der WU [Wirtschaftsuniversität] kommt und nicht viel Ahnung von der Telekommunkationsbranche hat", kritisierte Fischer im Weiteren die
bisherige Regulierungspolitik.
Fischer griff Otruba an
Mit "größter Verwunderung" reagierte schon der Vorstand des
Verbandes der Alternativen Telekom-Netzbetreiber [VAT] auf die
Angriffe von Fischer gegen den Geschäftsführer der Rundfunk- und
Telekom-Regulierungsbehörde, Heinrich Otruba.
Telekom Austria mit Regulator unzufrieden
VAT über TA-Stil "entsetzt"Wie die Entbündelung funktioniert
Die Entbündelung der letzten Meile bedeutet, dass alternative Provider oder Telekoms die Kupferleitung vom Kunden zum Wählamt übernehmen. Dazu benötigen sie entweder im Wählamt oder in einem direkt daneben gelegenen Gebäude eigene Räumlichkeiten ["Kollokation"].
In der Kolokation bringt der Entbündler einerseits sein eigenes Equipment unter, andererseits bindet er von hier aus die entbündelten Teilnehmer über eine eigene Infrastruktur [Backbone] an sein Netz an.
Bei der Bereitstellung der Kollokation sowie der "Umleitung" einzelner Teilnehmer zum alternativen Anbieter sind die Entbündeler auf die Zusammenarbeit der TA angewiesen.
Diese ist zwar im Entbündelungbescheid eigentlich genau geregelt, aber "die TA war dabei immer schon langsam, seit zwei Wochen geht allerdings fast nichts mehr", wirft Inode jetzt der Telekom vor: "Uns werden nur noch Steine in den Weg gelegt."
Entbündelung seit Ende 2000
Die Entbündelung ist nach einem Erlass vom 18. Dezember 2000 in
Österreich prinzipiell möglich. Der Erlass geht wiederum auf eine
entsprechenden EU-Verordnung zurück. Laut dieser ist die Telekom
Austria dazu verpflichtet, ihre Kupferleitungen zum Endkunden
vollständig anderen Marktteilnehmern zur Verfügung zu stellen.
Die langsame Entbündelung der Telekom Austria"Neue Qualität der Blockade"
Die komplizierte Abwicklung der Entbündelung war schon öfter Grund für Auseinandersetzungen zwischen alternativen Providern und der TA:
"Die TA bedient sich hier bürokratischer und formaler Tricks, wodurch die Provider dazu genötigt werden, sich die notwendigen Räumlichkeiten selbst anzumieten und die benötigte Infrastruktur auf eigene Kosten herzustellen", warf beispielsweise Kurt Einzinger, ISPA-Vorsitzender [Internet Service
Providers Austria], der TA im letzten Dezember vor.
Inode sieht seit zwei Wochen allerdings "eine neue Qualität der Blockade alternativer Investitionen durch die TA". Dabei werde die Kooperation "auf allen Ebenen verweigert".
Laut Inode werden sogar fertig gestellte und voll ausgerüstete Kollokationen von der TA schlicht nicht freigeschaltet. Allein dies würde dazu führen, dass Inode "nur aus fixen Vorbestellungen für xDSL-Pakte im Bereich dieser Wählämter einmalig mehr als 60.000 Euro und monatlich mehr als 20.000 Euro an Umsätzen" entgeht.
Inode hat Graz, Salzburg und große Teile Wiens bereits entbündelt. In Linz hat das Unternehmen fertig gestellte Kollokationen von Cybertron übernommen.
Inode entbündelt SalzburgPönalen wegen verzögerter Entbündelungsleistungen nach vier Wochen gedeckelt:
"TA kann Alternative ungestört blockieren"
