Betrugsklage gegen Ex-WorldCom-Chefs
Im Buchhaltungsskandal um den US- Telekommunikationskonzern WorldCom sind am Donnerstag der Ex-Finanzchef Scott D. Sullivan und der frühere Topbuchhalter David Myers wegen Betruges angeklagt worden.
Das Justizministerium legt ihnen eine systematische Aushöhlung der Gesetze der Buchhaltung und eine "Intrige zum Betrug der Öffentlichkeit" zur Last.
Sullivan und Myers hatten sich nach einem Haftbefehl am Donnerstag in New York den Behörden gestellt. Wie der Sender CNN meldete, wurden Sullivan und Myers noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt und dann gegen Kaution frei gelassen. Sie beträgt im Fall Sullivan 10 Millionen USD [10,2 Millionen Euro], im Fall Myers zwei Millionen. Beide mussten ihre Häuser als Sicherheit bieten und außerdem ihre Pässe hinterlegen.
Bush unterzeichnete Gesetz für härtere Strafen
Erst gestern hatte US-Präsident Bush ein Gesetz gegen
Finanzmanipulationen unterzeichnet, das härtere Strafen für
Bilanzbetrug vorsieht und die Möglichkeiten zur Verfolgung von
Bestechung in der Wirtschaft erweitert. Das Gesetz führt
Wertpapierbetrug als neue Straftat ein und belegt dies mit bis zu 25
Jahren Gefängnis.
25 Jahre Haft für WertpapierbetrugKonkursverfahren
WorldCom befindet sich in einem Konkursverfahren, nachdem das Unternehmen vor wenigen Wochen Falschbuchungen von 3,85 Milliarden USD zugegeben hatte. Dadurch waren tatsächliche Verluste in fiktive Gewinne verwandelt worden. Sullivan war gefeuert und Myers zum Rücktritt gezwungen worden.
Die WorldCom-Aktien, die auf dem Höhepunkt des Telekombooms noch insgesamt mehr als 100 Milliarden USD wert waren, sind inzwischen fast wertlos.
Bereits zivilrechtliche Klage
Das Unternehmen ist von der amerikanischen Wertpapier- und
Börsenkommission SEC wegen der Buchführungsmanipulationen bereits
zivilrechtlich verklagt worden. Auch das US-Justizministerium und
der Kongress untersuchen WorldCom.
Die Chronik der WorldCom-PleiteUntersuchungen gegen Ebbers
Gegen den früheren langjährigen Konzernchef und WorldCom-Mitgründer Bernard Ebbers laufen ebenfalls Untersuchungen.
Er schuldet WorldCom 408 Millionen USD, die ihm das Unternehmen als Kredit gegeben hatte. Ebbers musste vor einigen Monaten auf Druck der Aktionäre und Gläubiger zurücktreten.
Ex-WorldCom-Chef weist Schuld von sich
