25.07.2002

DEBATTE

Bildquelle: harvard

"Bilanz-Skandale korrigieren sich selber"

Der Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman hat rund eine Woche vor seinem neunzigsten Geburtstag seinen Ruf als Neo-Liberaler aufgefrischt und entgegen dem derzeitigen Trend die Selbstregulierungskräfte des Marktes als Heilmittel gegen Bilanzbetrügereien gepriesen.

Friedman hält auch nach den Bilanzierungsskandalen um US-Unternehmen wie Enron und WorldCom politische Konsequenzen für unnötig. "Das korrigiert sich selbst", sagte Friedman in einem Gespräch mit der "WirtschaftsWoche".

"Wer als Manager Betrug begeht, sollte ins Gefängnis gehen. Aber dafür brauchen wir keine neuen Gesetze."

Einmischung schadet

Friedman verweist darauf, dass Regulierungen, wie sie derzeit in den USA diskutiert werden, in der Vergangenheit wenig Wirkung gezeigt hätten. So habe die Schaffung der Börsenaufsichtsbehörde SEC die Risiken für Anleger keineswegs vermindert.

Zuweilen hätten Regulierungen sogar Schaden angerichtet. Regeln wie etwa Bestimmungen gegen den Insiderhandel hätten die Machtposition von Managern gegenüber Eigentümern gestärkt - und das, so Friedman, "ist ein großer Teil des Problems, das wir heute haben".

Als Beleg führt Friedman "maßlose Gehälter für Topmanager" an.

Widerspruch

Der ehemalige Arthur-Andersen-Partner und jetzige Chef der Frankfurter Unternehmensberatung Heaven21, Marek Wojcicki, widerspricht Friedman in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift vehement. Er hält es für wichtig, sehr schnell Maßnahmen zur Gesundung des Systems der Wirtschaftsprüfer zu ergreifen.

Der Gesetzgeber müsse mehr Verantwortung übernehmen. Selbstheilungskräfte seien in der Regel gut, aber manchmal gehe es nicht ohne dirigistische Eingriffe:

"Das heißt, wir brauchen eine staatliche Behörde oder Stelle, die dafür sorgt, dass Interessenkonflikte bei Wirtschaftsprüfern schon im Vorfeld ausgeschlossen werden können", fordert Wojcicki. Die Qualität der Prüfung müsse man durch die Festlegung von Mindeststandards gewährleisten.