Die Chronik der WorldCom-Pleite
Der US-Telekomkonzern WorldCom hat am Sonntag [Ortszeit] Gläubigerschutz beantragt.
Vorausgegangen war das Eingeständnis der Firma, Kosten in Höhe von rund 3,8 Mrd. USD [3,78 Mrd. Euro] nicht korrekt verbucht zu haben. Weltweit hatte dies die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt.
Im Folgenden die Chronik der jüngsten Ereignisse, die zur größten US-Pleite geführt haben.
11. März 2002
Die US-Börsenaufsicht SEC richtet eine Anfrage an WorldCom, Bilanzpraktiken und Kredite an leitende Angestellte betreffend.
3. April
WorldCom kündigt den Abbau von 3.700 Arbeitsplätzen in den USA
an. Dies entspricht vier Prozent aller Stellen des Konzerns.
WorldCom will 3.700 Stellen streichen22. April
Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Bewertung der kurz- und langfristigen Kredite des Konzerns herab. Andere Rating-Agenturen folgen am Tag darauf.
30. April
WorldCom-Chef Bernard Ebbers räumt seinen Posten inmitten
fallender Aktienkurse des Unternehmens und einer Untersuchung der
SEC wegen persönlicher Kredite. Vize-Chef John Sidgmore wird sein
Nachfolger.
WorldCom21. Mai
WorldCom kündigt die Streichung von Dividendenzahlungen an.
23. Mai
Das Unternehmen erhält eine neue Finanzierung in Höhe von 1,5
Mrd. USD. Dies ersetzt eine andere Kreditlinie über zwei Mrd. USD.
16.000 Jobs bei WorldCom in Gefahr25. Juni
Die Firma entlässt ihren Finanzchef Scott Sullivan und räumt ein, in fünf Quartalen seit 2001 seien Kosten von rund 3,8 Mrd. Dollar falsch verbucht worden. WorldCom kündigt den Abbau von 17.000 Stellen an, ein Fünftel der Arbeitsplätze.
26. Juni
Die SEC reicht Klage wegen Betrugs ein und beantragt eine
Verfügung, um die Firma der Veräußerung von Vermögensgegenständen
und außerordentlichen Zahlungen an Führungskräfte zu hindern. An der
Nasdaq wird der Handel mit WorldCom- und MCI-Aktien ausgesetzt.
Rekordverdächtiger Buchführungsbetrug1. Juli
In einer eidesstattlichen Versicherung an die SEC erklärt das
Unternehmen, die Buchführung der Jahre 1999 bis 2001 werde
überprüft. Einige Gläubiger teilen der Firma mit, sie könnten wegen
nicht bedienter Kredite die sofortige Rückzahlung fordern. An der
Nasdaq wird er Handel mit den Aktien wieder aufgenommen, die Papiere
eröffnen bei acht US-Cent. Die US-Regierung teilt mit, sie überprüfe
die bestehenden Verträge mit WorldCom, ein Ausschluss von künftigen
Geschäften sei möglich.
WorldCom überprüft auch alte Bilanzen2. Juli
Auf einer Pressekonferenz entschuldigt sich Sigdmore für den
Skandal. WorldCom versuche, eine Insolvenz zu verhindern. Der
Rechnungsprüfer des US-Bundesstaats New York reicht Klage wegen
Verlusten in Pensionsfonds ein.
WorldCom schließt Insolvenz nicht aus8. Juli
Der frühere WorldCom-Chef Ebbers sagt vor dem Finanzausschuss des
US-Repräsentantenhauses, er habe nichts Unrechtes getan. Er lehnt
die Beantwortung von Fragen ab. Der entlassene Finanzchef Sullivan
will ebenfalls nicht aussagen.
Ex-WorldCom-Chef weist Schuld von sich9. Juli
Sidgmore sagt, binnen drei Wochen solle entschieden werden, ob
die Firma in die Insolvenz oder eine andere Form der finanziellen
Umstrukturierung gehe. Man bemühe sich um eine Finanzierung in Höhe
von drei Mrd. USD. Zuvor hatte die Firma noch fünf Mrd. Dollar
Finanzierung angestrebt.
WorldCom droht Konkurs15. Juli
Der US-Abgeordnete Billy Tauzin sagt vor dem Kongress,
Zeugenbefragungen deuteten darauf hin, dass die Buchhaltungsfehler
bis ins Jahr 1999 zurückgingen. Aus E-Mails gehe hervor, dass hohe
Führungskräfte im März 2001 versucht hätten, die Gewinne zu
manipulieren, um die Erwartungen der Finanzmärkte zu erfüllen.
WorldCom-Vorstand hat sich taub gestellt16. Juli
Drei kalifornische Pensionsfonds verklagen WorldCom. Sie werfen der Firma vor, sie im Jahr 2001 bei der Auflage einer Anleihe über die finanzielle Gesundheit des Unternehmens getäuscht zu haben.
