WorldCom produziert größte US-Pleite
In dem größten Konkurs der US-Wirtschaftsgeschichte hat am Sonntag [Ortszeit] der Telekomkonzern WorldCom Antrag auf Gläubigerschutz gestellt.
WorldCom-Chef John Sidgmore sagte in einem Telefoninterview, eine Finanzierung in Höhe von bis zu zwei Milliarden USD [1,98 Milliarden Euro] solle der Firma ein Weiterarbeiten während des Gläubigerschutzes ermöglichen. Die internationalen Aktivitäten des Konzerns seien von der Insolvenz nicht betroffen.
WorldCom bezifferte seine Vermögenswerte auf 107 Milliarden Dollar, die Schulden auf 41 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat mehr als 20 Millionen Kunden und befördert über seine Leitungen rund die Hälfte der weltweiten Internet-Kommunikation.
Vorausgegangen war das Eingeständnis der Firma, Kosten in Höhe von 3,85 Milliarden USD nicht korrekt verbucht zu haben. Weltweit hatte dies die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt.
Rekordverdächtiger BuchführungsbetrugKontrolliert in den Konkurs
"Wir denken, dass wir aus dem Prozess nach Kapitel elf [dem Gläubigerschutz] als stärkere und gesündere Firma hervorgehen werden", sagte Sidgmore. Die Firma wolle den Gläubigerschutz nach neun bis zwölf Monaten wieder verlassen.
Mit der Insolvenz würden auch jährliche Zinszahlungen von zwei Milliarden USD hinfällig, die WorldCom auf seine Schulden zahlen müsse, sagte Sidgmore.
Die Firma will nach eigenen Angaben binnen zwei Wochen einen Sanierungsexperten einstellen, der der Firmenleitung assistieren soll.
Die Finanzierung für die Übergangszeit soll nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen von Citigroup, J.P. Morgan Chase & Co. und der Finanzierungssparte von General Electric bereitgestellt werden.
Größter US-Konkurs steht bevorSchulden gegen Aktien
Sidgmore sagte weiter, WorldCom erwarte eine Reduzierung der Schulden durch einen Tausch von Schuldtiteln in Aktien. Damit erhielten die Gläubiger des Unternehmens Anteile an der umstrukturierten Firma.
"Wir hatten über unsere Anwälte und Banken sehr positive Gespräche mit den Anleihe-Inhabern", sagte der WorldCom-Chef. "Ich denke, dass wir die Leute davon überzeugen können, dass der Besitz unserer Aktien ein gutes Geschäft ist."
Der Vorstand des Konzerns hat angeblich Hinweise auf gefälschte Bilanzen zwei Jahre lang ignoriert. Bereits im Jahr 2000 hätten WorldCom-Mitarbeiter das Management erstmals über Unregelmäßigkeiten informiert, sagte das Mitglied des Wirtschaftsausschusses im US-Kongress, Billy Tauzin, dem US-Sender ABC. Geschehen sei jedoch nichts.
WorldCom-Vorstand hat sich taub gestelltWichtige Leitungen
Der Konzern, der sein Telefongeschäft unter der Marke MCI betreibt, hat 20 Millionen Telefon- und Tausende Unternehmenskunden. WorldCom wickelt auch 50 Prozent des gesamten amerikanischen und einen erheblichen Teil des internationalen Internetverkehrs ab.
Er sehe keine Gefahr, dass das Netz stillgelegt oder dass die Operationen eingestellt würden, betonte Sidgmore noch am Samstag.
Und auch die Behörden in Washington versuchen fieberhaft, Betriebsausfälle bei WorldCom zu verhindern.
