11.07.2002

KEHRTWENDE

Bildquelle: waldt

Einheitlicher "Internet-Ausweis" in Sicht

Vor rund einem Jahr begann die Konkurrenz zwischen Microsoft und der von Sun dominierten Liberty Alliance um einen einheitlichen "Online-Ausweis".

Die Liberty Alliance und Microsoft versuchen jeweils, Systeme zu etablieren, die virtuelle Ausweise für den sicheren Handel im Internet zur Verfügung stellen. Bislang haben die beiden Lager sich dabei verbal teils heftig attackiert, aber diese Streitigkeiten scheinen der Vergangenheit anzugehören:

Eine Woche, bevor die Liberty Alliance ihr Produkt vorstellen wird, haben die verfeindeten Lager jeweils signalisiert, dass ihre Authentifizierungs-Systeme sehr wohl zusammmenarbeiten oder sogar wachsen könnten.

Die Lager

Insgesamt sind bisher 14 Millionen Menschen bei Passport angemeldet. Die Mitgliedschaft entsteht allerdings meist unfreiwillig, wenn ein User Hotmail oder bestimmte Features in Windows XP nutzen will, wozu zwingend die Passport-Registrierung verlangt wird.

Die von Sun Microsystems gegründete Liberty Alliance will ein erstes funktionierendes System am nächsten Montag vorstellen.

Anders als das Konzept von Microsoft will die Allianz ein System anbieten, bei dem sich der Kunde sicher ausweisen kann, die Daten jedoch nicht zentral gespeichert werden sollen. Dafür sollen Online-Unternehmen untereinander die Richtigkeit der Daten ihrer Kunden gewährleisten.

Alles harmonisch

Der Chef der Liberty Alliance, der United-Airlines-CEO Eric Dean, sagte jetzt gegenüber dem "Wall Street Journal", dass man sich vorstellen könne, "dass auf unserer Technik aufgesetzte Dienste auch mit Passport zusammenarbeiten".

Dean fügte hinzu, dass es sogar Überlegungen gebe, die beiden Dienste zu fusionieren.

Und auch Microsoft-Sprecher Adam Sohn stimmte in diesen ungewohnten harmonischen Tonfall ein, als er betonte, dass sein Konzern "nicht auf eine Auseinandersetzung mit der Liberty Alliance fixiert" sei. Stattdessen wolle man schlicht Verbrauchern mehr Sicherheit im Netz bieten.

Die Sache mit dem Vertrauen

Die beiden bislang verfeindeten Lager teilen allerdings ohnehin ein grundlegendes Problem:

Den meisten Nutzern geht es offensichtlich eher um Datensicherheit denn Bequemlichkeit - sie wollen eigentlich gar keine solchen Dienste und haben sie bisher nur deswegen akzeptiert, weil sie ohne diese bestimmte Services wie Hotmail nicht hätten nutzen können.