Kinder vor den eigenen Eltern schützen
Erst gestern hat der deutsche Bundestag das umstrittenene neue Jugendschutzgesetz verabschiedet, schon denken deutsche Politiker, die explizit eine europäische Vorreiterrolle beim Jugendschutz in den Medien anstreben, über weitere Schritte nach:
Um Kinder von "Gewalt-Filmen und grausamen Computerspielen" abzuhalten, wollen die Justizminister jetzt die Erziehungsfreiheit der Eltern einschränken.
Dazu müsse das so genannte Elternprivileg geschwächt werden, sagte der niedersächsische Justizminister und renomierte Kriminologe Christian Pfeiffer [SPD]: "Eltern dürfen ihren Kindern grauenhafte Gewaltexzesse zeigen, denn wir haben bisher ein grundrechtlich geschütztes Elternrecht: Der Staat hat sich da herauszuhalten."
Schärfere Gesetze gegen "Gewaltspiele"Keine Prügel, keine Gewaltmedien
Daraus sei früher auch das Recht auf die Prügelstrafe abgeleitet worden. Das habe sich im Bereich der körperlichen Gewalt geändert. "Wir sollten jetzt den konsequenten Schritt tun und dies auch im Hinblick auf die seelische Gewalt ermöglichen", sagte Pfeiffer.
Ein niedersächsischer Vorstoß in diese Richtung sei auf der Justizminister-Konferenz am Mittwoch bei Bund und Ländern auf gute Resonanz gestoßen. Kinder dürften nur noch zu medienpädagogischen Zwecken mit Gewalt konfrontiert werden, meinte Pfeiffer.
Die "Säuberung" der digitalen WeltenSozial verkümmerte Kinder
Die Justizminister überlegten auch schärfere Maßnahmen gegen den Besitz und das Herunterladen gewaltverherrlichender Computer-Spiele. Das Strafrecht allein könne aber nicht die Lösung sein, meinte Pfeiffer.
Vor allem müsse die Medienpädagogik in Schulen gestärkt werden. "Wir müssen die Schule fit machen, Überzeugungsarbeit zu leisten und Exzesse der Isolation zu verhindern."
Denn das viele Spielen am Computer lasse die Kinder sozial verkümmern. "Da wird Lebenszeit geklaut", sagte Pfeiffer. "Die Persönlichkeit wird nicht gefördert, wie sonst durch zum Beispiel Fußballspielen, Radfahren, sich austoben, mit einem Mädchen flirten." Das Strafrecht stamme aus einer Zeit, als es die Macht der Bilder in dem Maße noch nicht gegeben habe.
