HP sucht nach dem Maulwurf
Hewlett-Packard [HP] hat am Freitag eine Untersuchung nach dem Informanten eingeleitet, der eine Voicemail von Firmenchefin Carly Fiorina an den Finanzchef Bob Wayman an die Presse weiterleitete.
Wie Wayman in einer E-Mail an alle Angestellten des Konzerns mitteilte, würden derzeit sämtliche Informationslecks im Unternehmen "energisch überprüft". Firmensprecherin Rebeca Robboy erklärte, nicht nur die internen Sicherheitskräfte, sondern auch externe Security-Berater seien an der Aufklärung beteiligt.
Sollte sich herausstellen, dass durch die Herausgabe von Fiorinas Voicemail firmeninterne Informationen veröffentlicht und allgemeine Gesetze verletzt wurden, werde HP sich mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen.
"Wir müssen möglicherweise etwas Außergewöhnliches tun"
Fiorina hatte in ihrer telefonischen Nachricht, die von den "San
Jose Mercury News" veröffentlicht wurde, zum Ausdruck gebracht, sie
sei besorgt über das Abstimmungsverhalten der Deutschen Bank und der
Northern Trust. In der Nachricht sagte die HP-Chefin zu ihrem
Finanzchef wörtlich: "Wir müssen möglicherweise etwas
Außergewöhnliches tun, um die beiden auf unsere Seite zu bekommen."
Fiorina will etwas "Außergewöhnliches""Aktion schadet dem ganzen Unternehmen"
Diese Telefonnotiz birgt insofern eine gewisse Brisanz, als Fusionsgegner Walter Hewlett Klage gegen den IT-Konzern eingereicht hat.
Er wirft dem Unternehmen vor, es habe bei der Aktionärsversammlung am 19. März die Befürwortung einiger Großaktionäre auf nicht einwandfreie Weise gewonnen.
Wayman erklärte dazu: "Offen gestanden finde ich diese Anschuldigungen beleidigend und empörend. Weder Carly noch ich würden uns jemals unvorschriftsmäßig in einer Geschäftsangelegenheit verhalten. Noch weniger würden wir Business-Assets einsetzen, um Stimmen zu erhalten."
Das einzig Positive an dem von Hewlett angestrebten Prozess, der am 23. April beginnen wird, sei die Darstellung der Wahrheit und die Wiederherstellung der Ehre von HP.
Freude bei Walter Hewlett
Zudem ging er auf die von Hewlett erhobenen Anschuldigungen ein,
HP habe einen Teil der Stimmen der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche
Asset Management nur dadurch gewonnen, dass der IT-Konzern noch
wenige Tage vor dem Votum mit dem Institut ein Kreditabkommen über
mehrere Milliarden USD geschlossen habe.
Hewlett-Klage geht vor GerichtNiemals legale Grenzen überschritten
In seiner am Donnerstag an alle HP-Angestellten verschickten E-Mail brachte Wayman seine tiefe "persönliche Verletzung" zum Ausdruck, die durch die unautorisierte Verbreitung von vertraulichen Firmeninformationen entstanden sei: "Diese Aktion ist nicht nur illegal, sie schadet dem gesamten Unternehmen und allen Mitarbeitern."
Zusammenfassend schrieb Wayman, dass Fiorinas Voicemail lediglich darüber Auskunft gebe, wie hart das HP-Management bis zur letzten Minute gearbeitet habe, damit die Fusion zum Erfolg wird.
"Wir haben unzählige Stunden damit verbracht, den Aktionären bis zur Stimmabgabe die geschäftlichen Vorteile unserer Position darzulegen. Aber wir haben niemals die ethischen oder legalen Grenzen überschritten", so Wayman.
Zugriff durch Passwort
"Ich schätze, dass jemand einfach Waymans Passwort geraten und
dadurch Zugriff auf seine Voicemails erhalten hat", sagte Todd
Tucker, Sicherheitsexperte bei Pentasafe Security Technologies in
Houston.
PentasafeSicherheit für Voicemail ernster nehmen
Anlässlich der Veröffentlichung von Fiorinas Voicemail haben sich inzwischen einige Sicherheitsexperten zu Wort gemeldet. Sie zeigten sich wenig überrascht, dass einem Unbefugten gelungen ist, auf die Sprachnachricht zuzugreifen.
Immer noch würden viele Unternehmen, hauptsächlich ihr Computer- und E-Mail-System schützen.
Das Thema Sicherheit für Voicemail werde jedoch bisher sehr stiefmütterlich behandelt, sodass es oft ein Leichtes sei, den vierstelligen Nummerncode für den Zugriff auf die Nachrichten zu knacken.
