"Hacker-Angst" in der Formel 1
Die Formel-1-Teams sehen sich zum heutigen Saisonstart ganz neuen Gefahren gegenüber, die nach Aussagen aus dem Techniklager zu echten Katastrophen führen können.
Ursache ist eine Reglement-Änderung, welche die elektronische Regelung von Parametern via Funk durch die Techniker auch während des Rennens zulässt.
Einige Teams haben jetzt offen die Angst vor "Hacker-Angriffen" auf ihre Boliden während des Rennens ausgesprochen.
Das Reglement lässt ab dieser Saison wieder "Bi-Directional Telemetry" zu, das 1993 untersagt wurde. Elf Rennställe treten heute in Australien im Kampf um die WM-Krone an.
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Das Horrorszenario für die Techniker sind Eindringlinge, die sich in ihre Funknetze zu einem "Echtzeit-Videospiel" einklinken: "Dafür gibt es eindeutig das Potenzial," meint beispielsweise Sam Michael, Technikchef bei Williams.
Laut Michael könnten Eindringlinge durch Änderung von Motorparametern die hochgezüchteten Aggregate sogar zu einer Explosion bringen.
Die System erfordern allerdings im Normalfall eine Bestätigung des Fahrers für jede Änderung, aber "wenn die Software nicht sauber geschrieben wurde," könnte laut Michael auch diese Hürde überwunden werden.
Gilles Flaire, ein ehemaliger Geheimdienstmann und jetzt Techniker bei Jordan, sieht aber schon allein in der Möglichkeit, die Kommunikation zwischen dem Rennwagen und der Boxengasse zu stören, eine ernsthafte Gefahr.
Software für AutomotorenHacken statt schrauben
Während früher ein Auto komplett mechanisch aufgebaut war, hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend die Elektronik Einzug gehalten. Inzwischen können auch bei vielen Serienfahrzeugen alle Motor-Kennlinien digital eingestellt werden.
Haben sich Hacker und Softwarebastler bis dato vor allem auf PCs konzentriert, richtet sich das Interesse inzwischen auch auf dieses Gebiet.
Hier gibt es - ähnlich der Hackerszene - sowohl findige Tüftler, die in monatelangen Messungen der Motormanagement-Software auf die Schliche kommen, wie auch Firmen, die sich vor allem auf die simple Anwendung des derart erworbenen Wissens konzentrieren.
Chiptuning ist ein beliebtes Mittel zur bequemen Leistungssteigerung von Autos. Während bei herkömmlichen Benzinmotoren ein Plus von nur fünf bis zwölf Prozent herausgefahren werden kann, zeigen sich Turbomotoren äußerst tuningfreundlich. Bis zu 40 Prozent mehr Leistung kann erzielt werden.
Motor-Software als Industriestandard
