20.04.2001

PART II

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Motor-Software als Industriestandard

Moderne Automotoren werden komplett durch Elektronik gesteuert. Industriestandard ist OBD II, der sich weltweit durchgesetzt hat.

Diesen Standard machen sich auch Chiptuner zu Nutze.

Daher sind noch nicht für alle Autos die Spezifikationen bekannt. Sie werden meist durch Reverse-engineering - also monatelanges Austesten, um die relevanten Datenfelder zu finden - oder manchmal auch einfach durch Entwenden der entsprechenden Unterlagen vom Hersteller selbst verbreitet. Letzteres war vor allem bei früheren Chips gang und gäbe.

Mittlerweile beschäftigt sich eine Reihe von mehr oder weniger renommierten Firmen damit, Autos durch Chiptuning schneller zu machen. Freilich gibt es hier nicht nur Tuner, die sich in jahrelanger Erfahrung an die besten Werte herantasten, sondern auch solche, die zufällig an die entsprechende Software gelangt sind und mit stark überhöhten Werten zwar die Leistung steigern, aber auch die Lebensdauer des Motors verringern.

Obacht vor schlechtem Tuning

Vor allem lange Vollgasfahrten haben hier schon manchen derart übertunten Motor gekillt. Hauptgrund ist ein zu mageres Gemisch, das zwar mehr Leistung bringt, aber die Kolben überhitzt. Ab rund 800 Grad fangen diese an zu schmelzen.

Chiptuning für Hersteller

Die Autohersteller, die ja ständig mit dem DAU [dümmster anzunehmender User] rechnen müssen, lassen die Software bei Volllast automatisch übermäßig Benzin einspritzen, um den Motor etwas zu kühlen.

Chiptuning ist allerdings nicht nur ein "Übertakten" des Motors, sondern wird auch von den Autoherstellern selbst angewandt. Schuld ist hier die PS-Angabe, die ja recht genau eingehalten werden sollte. Von den Toleranzgrenzen, die bei der Massenfertigung gelten, weichen die fertigen Motoren oft jeweils um 15 Prozent nach oben oder nach unten ab.

Auf dem Prüfstand werden daher die Kennlinien derart angepasst, dass jeder Motor das Werk mit gleicher Leistung verlässt.

Marketingabteilung bestimmt PS-Zahl

Softwarebedingte Leistungssteigerung wird oft auch innerhalb einer Modellreihe angewandt, um identische Motoren mit unterschiedlicher Leistung zu verkaufen. Die Fertigung wird so billiger - immerhin muss nur ein Motor für verschiedene Modelle produziert werden.

Hier hat außerdem die Marketingabteilung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Oft werden nämlich nominell stärkere Varianten ein, zwei Jahre später angeboten, um bestehenden Kunden einen Kaufanreiz für ein neues Fahrzeug zu geben.

Software steuert im Auto nicht nur den Motor, sondern überwacht auch Funktionen von Hilfsmitteln wie Klimaanlage, Airbag, ABS & Co. Die Autoindustrie ist bereits dabei, einen neuen Standard - OBD III - zu entwickeln.