Motor-Software als Industriestandard
Moderne Automotoren werden komplett durch Elektronik gesteuert. Industriestandard ist OBD II, der sich weltweit durchgesetzt hat.
Diesen Standard machen sich auch Chiptuner zu Nutze.
Schlicht & sauber
Der Vorteil der ODB II Systeme aus der Sicht der Tuner ist, dass
immer ein bequemer Anschluss im Passagierraum besteht und dass nicht
nur Diagnosewerkzeuge, sondern auch alle Motor-Kennlinien
inkorporiert sind. Letzteres sorgt allerdings auch wieder für
Probleme: Bei modernen Autos sind mehr als 100 Kennlinien in
unterschiedlichen Datenfeldern abgelegt.
Adapter für ODB-II-SteuergeräteDaher sind noch nicht für alle Autos die Spezifikationen bekannt. Sie werden meist durch Reverse-engineering - also monatelanges Austesten, um die relevanten Datenfelder zu finden - oder manchmal auch einfach durch Entwenden der entsprechenden Unterlagen vom Hersteller selbst verbreitet. Letzteres war vor allem bei früheren Chips gang und gäbe.
Mittlerweile beschäftigt sich eine Reihe von mehr oder weniger renommierten Firmen damit, Autos durch Chiptuning schneller zu machen. Freilich gibt es hier nicht nur Tuner, die sich in jahrelanger Erfahrung an die besten Werte herantasten, sondern auch solche, die zufällig an die entsprechende Software gelangt sind und mit stark überhöhten Werten zwar die Leistung steigern, aber auch die Lebensdauer des Motors verringern.
Obacht vor schlechtem Tuning
Vor allem lange Vollgasfahrten haben hier schon manchen derart übertunten Motor gekillt. Hauptgrund ist ein zu mageres Gemisch, das zwar mehr Leistung bringt, aber die Kolben überhitzt. Ab rund 800 Grad fangen diese an zu schmelzen.
Chiptuning für Hersteller
Die Autohersteller, die ja ständig mit dem DAU [dümmster anzunehmender User] rechnen müssen, lassen die Software bei Volllast automatisch übermäßig Benzin einspritzen, um den Motor etwas zu kühlen.
Chiptuning ist allerdings nicht nur ein "Übertakten" des Motors, sondern wird auch von den Autoherstellern selbst angewandt. Schuld ist hier die PS-Angabe, die ja recht genau eingehalten werden sollte. Von den Toleranzgrenzen, die bei der Massenfertigung gelten, weichen die fertigen Motoren oft jeweils um 15 Prozent nach oben oder nach unten ab.
Auf dem Prüfstand werden daher die Kennlinien derart angepasst, dass jeder Motor das Werk mit gleicher Leistung verlässt.
Marketingabteilung bestimmt PS-Zahl
Softwarebedingte Leistungssteigerung wird oft auch innerhalb einer Modellreihe angewandt, um identische Motoren mit unterschiedlicher Leistung zu verkaufen. Die Fertigung wird so billiger - immerhin muss nur ein Motor für verschiedene Modelle produziert werden.
Hier hat außerdem die Marketingabteilung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Oft werden nämlich nominell stärkere Varianten ein, zwei Jahre später angeboten, um bestehenden Kunden einen Kaufanreiz für ein neues Fahrzeug zu geben.
Software steuert im Auto nicht nur den Motor, sondern überwacht auch Funktionen von Hilfsmitteln wie Klimaanlage, Airbag, ABS & Co. Die Autoindustrie ist bereits dabei, einen neuen Standard - OBD III - zu entwickeln.
Leistungsfähige Vernetzung
Dieser sieht vor, die Daten untereinander zu vernetzen, um
beispielsweise sofort an zentraler Stelle Bescheid zu geben, wenn
sich ein Motor in den kritischen Bereich bewegt oder wenn die
Abgaswerte überschritten werden. In einer Zukunftsvision sollen
Sender entlang der Straße die Daten sammeln - eine Horrorvorstellung
für Datenschützer. Es gibt bereits Prototypen, die theoretisch
gleichzeitig die Daten von Autos sammeln können, die auf einer
achtspurigen Autobahn Stoßstange an Stoßstange mit 160 km/h fahren.
Mehr über OBD IIIVerschlüsselung für Zünddaten
So könnten in späterer Folge auch gleich
Geschwindigkeitsübertretungen oder Tuningmaßnahmen gemeldet werden.
In Kalifornien wird auch versucht, in den Standard ein Protokoll zu
implementieren, das die Abschaltung der Autos per Fernbedienung
durch die Polizei ermöglichen soll. Durch Verschlüsselungsverfahren
soll verhindert werden, dass die Software verändert werden kann.
Chryslers Patent zur Motormanagement-Verschlüsselung
