Handys, Rezession und Hysterie um "Hacker"
Die weltgrößte IT-Messe CeBIT wurde offiziell vom deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsidentin von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, in Hannover eröffnet.
Die Erwartungen und angekündigten Schwerpunkte [APA: "Megatrend"] kommen allerdings vertraut vor: Mobile Anwendungen wurden schon im letzten Jahr als Zukunft der Informationstechnologien gefeiert, nur dass sich in diesem Jahr das Vokabular geändert hat: Die Branche meidet das Wort "WAP", weil der Standard inzwischen exemplarisch für den mühsamen Start ins mobile Netz steht.
Stattdessen werden "GPRS" und "UMTS" möglichst weit in den Vordergrund gestellt, auch wenn diese inzwischen zum allgemeinen Wortschatz gehörigen Abkürzungen natürlich keine Konkurrenz für das WAP-Protokoll selbst darstellen.
Konstant scheint sich die Begeisterung für Bluetooth zu halten, auch wenn die Entwicklung dieses drahtlosen Kommunikationsstandards immer noch schleppend vorankommt.
Centrum, Büro, Informationstechnik
Der Name CeBIT steht für "Centrum der Büro- und
Informationstechnik". Seinen Namen erhielt die zumindest nach
Ausstellungsfläche heute weltgrößte Messe für Computertechnik und
Telekommunikation 1970 mit dem Einzug in die neue Halle 1 am
Nordeingang der Industriemesse in Hannover. Doch Ende der 70er Jahre
war diese Halle bereits zu eng; die CeBIT drängte in neue
Messehallen und schließlich in die Unabhängigkeit von der Hannover
Messe. Am 12. März 1986 fand in Hannover die erste eigenständige
CeBIT statt: 2.142 Aussteller präsentierten sich zur Premiere auf
einer Ausstellungsfläche von 200.000 Quadratmetern. 334.000 Besucher
wurden damals gezählt.
Ausstellerrekord bei der CeBIT 2001Bis Sommer keine Besserung
Grundlegend geändert hat sich allerdings seit letztem Jahr die Stimmung der Branche: Die CeBIT 2000 fand auf dem Zenit des Dot.com-Börsenbooms statt.
In diesem Jahr hat die Branche dagegen ein Jahr Talfahrt hinter sich - und eine echte Trendwende zeichnet sich nicht unmittelbar ab.
Stellvertretend für viele in der Branche sagte Fiorina vor der CeBIT-Eröffnung, bis zur Jahresmitte sei keine Besserung in Sicht.
Perspektiven und Wechsel im Nebel
"Es wird auch keine rasche Erholung im zweiten Quartal geben",
beschrieb Fiorina die Konjunkturlage in den USA. Prognosen darüber
hinaus seien schwierig. "Es ist so, als würde man im Nebel
navigieren."
Jubiläumsmassaker an der NasdaqMehr Green Cards
Auch aus der Politik kommen außer dem konjunkturbedingten Perspektivenwechsel keine wirklich neuen Inhalte zum Messeauftakt: Genau wie im letzten Jahr sprach Schröder hauptsächlich vom Mangel an qualifizierten IT-Arbeitskräften.
Er sprach sich für eine weitere Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für ausländische Fachkräfte aus.
Die im vorigen Jahr eingeführte und bisher befristete Green Card für die Computer- und Telekommunikationsbranche sei nur ein erster Schritt gewesen. "Weitere müssen und werden folgen", sagte Schröder in seiner Eröffnungsrede.
Politik und WAP auf der CeBIT 2000Angst vor "Hackern"
Angesichts getrübter Wachstumsaussichten in den High-Tech-Branchen hat die deutsche Wirtschaft zum Start der CeBIT mehr Schützenhilfe von der Bundesregierung gefordert.
Der deutsche Branchenverband BITKOM verlangte von Schröder ein millionenschweres Programm zum Schutz von Verbrauchern und Firmen vor "Hacker-Angriffen aus dem Internet", um dem Handel per Handy und Computer zum Durchbruch zu verhelfen.
Mit Blick auf "Gefahren für die Entwicklung der neuen Mobilfunkdienste durch Internet-Kriminaltität" betonte BITKOM-Vizepräsident Willi Berchtold, in den USA sei ein Milliardenprogramm zur Abwehr aufgelegt worden.
In Deutschland seien mindestens 51,1 Millionen Euro notwendig, um Technologien gegen diese Risiken zu entwickeln.
Die Deutsche Messe AG als Veranstalter erwartet von Donnerstag an bis zum kommenden Mittwoch an den sieben Messetagen mehr als 700.000 Besucher aus dem In- und Ausland.
50 Mrd. Dollar für "Internet-Schutzschild"
