05.03.2001

OFFENSIVE

Bildquelle: PhotoDisc

50 Mrd. Dollar für "Internet-Schutzschild"

Die USA haben angekündigt, neben dem Raketenabwehrsystem NMD jetzt auch einen "Internet-Schutzschild" aufzubauen.

Ziel dieses "virtuellen NMD" [National Missile Defence] sei es, staatliche und private Netzwerke in den USA gegen "Cyber-Angriffe" von Außen zu verteidigen, berichtet das "Handelsblatt" in seiner heutigen Ausgabe.

Dem Bericht zufolge gehen die US-Pläne aber über den reinen Schutz hinaus. Es solle eine ähnlich "totale Abschreckung" erreicht werden wie mit der Nuklearstrategie der vergangenen Jahrzehnte.

Da allerdings die Star-Wars-Pläne der USA bisher vor allem politische und wirtschaftliche Auswirkungen hatten und weniger technische und militärische, gehen Beobachter davon aus, dass die Ankündigung des "Cyber-NMD" vor allem als Signal der US-Stärke auch in den Datennetzen und als Investitionsprogramm in die IT-Industrie zu verstehen ist.

Konjunkturschub

Der "Schutzschild" soll nach dem Bericht bis 2003 stehen und wird voraussichtlich über 50 Milliarden USD kosten. Präsident George Bush hat demnach bereits Mittel zugesichert.

An den Kosten sollen aber auch "die Unternehmen" beteiligt werden, da sich beim Schutz der Netzwerke militärische und privatwirtschaftliche Bereiche nicht mehr trennen ließen.

Die staatlichen Investitionen sollen demnach auch privatwirtschaftliche Investitionen entgegen dem wirtschaftlichen Trend anregen. Die Bush-Regierung befindet sich damit im Gleichklang mit den Aussagen, die Intel-Chef Craig Barrett erst letzte Woche auf der Entwickler-Konferenz seines Unternehmens machte.

Barrett kündigte an, dass Intel für ein langfristiges Wachstum investieren werde, obwohl derzeit wirtschaftliche Unsicherheit vorherrsche.

Ankündigung ist schon Abschreckung

Ob das "Cyber-Abschreckungspotenzial" allerdings auch ernsthaft umgesetzt wird oder ob allein die Ankündigung starker "virtueller Waffen" schon den gewünschten Effekt erzielen soll, ist gerade wegen der Bezugnahme auf das Raketenabwehrprogramm völlig offen.

Seitdem Präsident Ronald Reagan 1983 seine Strategische Verteidigungsinitiative [SDI] verkündete, deren Kosten auf bis zu eine Billion USD geschätzt wurden, sind die technischen Fortschritte der Raketenabwehr nämlich mehr als dürftig.

Dafür ist der Tonfall des "Cyber-NMD" umso offensiver: "Wenn ein Staat unsere Wasserversorgung mit einer Cyber-Attacke unterbricht, müssen wir im Stande sein, seine Stromversorgung oder sein Bankensystem lahm zu legen", zitiert das "Handelsblatt" einen US-Geheimdienstberater.

Kompetenz

Passend zur Wiedererstarkung von Reagans "Star Wars" wurde gestern in Anwesenheit von US-Präsident Bush zum ersten Mal in der Geschichte der USA ein Flugzeugträger auf den Namen eines noch lebenden Ex-Präsidenten getauft.

Dabei schlug Bush selbst den Bogen zu High-Tech in der modernen Kriegsführung - wenn auch wieder einmal etwas eigenwillig formuliert.

Die "USS Ronald Reagan" sei mit modernster Technik ausgestattet und besitze ein "gesamtes Deck voller Computer und Kabel", sagte Bush.