Mobilfunk-Preisschlacht in Deutschland
Die deutsche Aldi-Gruppe hat mit ihrem geplanten Einstieg ins Mobilfunkgeschäft eine neue Preisrunde unter Billiganbietern eingeläutet.
Als erstes Unternehmen kündigte der Anbieter simplytel am Dienstag einen neuen Tarif an, der die Aldi-Offerte mit 14 Cent je Minute in alle Netze unterbietet. Das teilte der Mutterkonzern Drillisch mit. Das neue Angebot ist begrenzt bis zum 28. Februar 2006.
Die Anbieter klarmobil [Talkline] und easyMobile [Mobilcom] zogen am Mittwoch nach. Auch sie werden ihren Kunden bis Ende Februar 2006 mobiles Telefonieren für 14 Cent je Minute in alle Netze ermöglichen. T-Mobile soll ebenfalls über spezielle Tarife nachdenken.
SMS zu teuer
Aldi sei überholt, noch ehe das Unternehmen mit seinen neuen
Tarifen auf dem Markt sei, teilte der Verbraucherberater Xonio mit.
Der Minutenpreis liegt mit 15 Cent zwar gut im Rennen, sei aber von
den Konkurrenten bereits unterboten worden. Außerdem verdiene der
Aldi-Preis von 15 Cent pro versandte SMS kaum noch das Attribut
günstig.
Zehn Cent pro Minute in Deutschland möglichUntereinander für fünf Cent telefonieren
"Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren Angeboten gut positioniert sind und das bessere Netz haben", sagte ein Pressesprecher von Talkline.
"Im Gegensatz zu Aldi haben wir uns das Credo 'Qualität ganz oben, Preis ganz unten' tatsächlich zu Herzen genommen", wirbt Christian Winther, Geschäftsführer von easyMobile. Das gesamte Paket werde auf dem deutschen Mobilfunkmarkt voll einschlagen, zeigte er sich überzeugt.
Am Wochenende hatte der Lebensmitteldiskonter Aldi für Donnerstag den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft angekündigt. Die Gespräche kosten 15 Cent pro Minute, Aldi-Kunden können untereinander bereits für fünf Cent telefonieren. Auch Lidl erwägt den Verkauf von Mobilfunkkarten.
Werbeaktionen laufen bald an
Zurückhaltender auf die neuen Preisbrecher reagierten die
E-Plus-Tochter simyo und die Münchner blau.de. Vorläufig gebe es
keinen Bedarf für eine Anpassung, sagte eine simyo-Sprecherin in
Düsseldorf. Gleichwohl kündigte das Unternehmen einen Bonus von
jeweils zehn Euro für Werber und Neukunden bis Jahresende an.
Auch Diskonter Lidl will Mobilfunker werdenKein Run auf Aldi-Handys
Der Geschäftsführer von blau.de, Martin Ostermeier, sieht derzeit ebenfalls keinen Handlungszwang, obwohl es noch Spielraum nach unten gebe. "Wir müssen nicht reagieren, wir sind gut positioniert." Der Mobilfunkmanager sieht für das Billigsegment ein "gigantisches" Marktpotenzial. Möglich seien Anteile von 20 bis 25 Prozent.
Am Mittwoch begannen die Filialen von Aldi-Nord mit dem Verkauf von Handys und Mobilfunkverträgen, am Donnerstag soll Aldi-Süd nachziehen. Einem Bericht des Online-Tarifberaters teltarif.de zufolge blieb der erwartete Ansturm von Kunden auf die Aldi-Märkte am Mittwoch aus.
Nach Einschätzung der Branche peilt das Unternehmen an, bis Ende kommenden Jahres mehr als 750 000 Kunden zu gewinnen.
