Sony-Europa-Chef: "Haben uns blamiert"
Ein gewaltiger Aufschrei von Kunden, Konsumentenschützern und Sicherheitsexperten in aller Welt war nötig, um den weltgrößten Plattenkonzern zur Einsicht zu bewegen.
Nun hat der Chef von SonyBMG Europa Fehler beim Verkauf von CDs mit dem umstrittenen Kopierschutz XCP eingeräumt.
"Sony BMG hat sich nicht nur ziemlich, sondern sehr blamiert", erklärte Maarten Steinkamp im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt".
Im Grunde sei der Ansatz, die freie Verfügbarkeit der Musik auf irgendeine Weise regulieren zu wollen, jedoch richtig. Doch an der Umsetzung hapere es noch.
Das Interview bei Welt.deVor nun fast zwei Wochen war von Seiten Sonys noch etwas ganz anderes zu hören: "Die meisten Leute wissen gar nicht, was ein Rootkit ist, warum sollten sie sich darum kümmern?" so Sony BMGs Thomas Hesse.
Sony BMG verteidigt Kopierschutz weiter"Der Blues ist vorbei"
Auch für das Jahr 2006 schlägt der Europa-Chef ungewohnt optimistische Töne an.
"Erst einmal hören wir auf zu jammern. Der Blues ist vorbei", so Steinkamp zur "Welt". In den kommenden zwei Jahren werde sich auf dem Musikmarkt mehr ändern als in den vergangenen 20 Jahren.
Sony BMG habe etwa gerade MP3-Player mit vorinstallierter Musik auf den holländischen Markt gebracht. Davon wurden gleich in der ersten Woche 30.000 Stück verkauft.
Zusammen mit dem Telefonkonzern Hutchison Whampoa wurde in Italien zudem ein neues Handy herausgebracht und mit dem neuen Ramazzotti-Album als Speicherkarte im Paket angeboten. Durch diesen Deal wurde das Album 300.000 Mal verkauft.
Außerdem kooperiert Sony BMG mit Sony Ericsson bei Walkman-Handys. Sony BMG habe auf diesen Geräten jede Menge vorinstalliert, so Steinkamp.
Musikhandys werden immer beliebterGestaffelte Preise
Sony BMG plane des Weiteren gestaffelte Preise. "Warum ist eine neue Shakira-CD genauso teuer wie die von einer unbekannten Band? Muss ein Volkswagen das Gleiche kosten wie ein Benz, nur weil es beide Autos sind?" so Steinkamp.
Bei Album-Release könnte Sony BMG "erst einmal eine Woche lang für die ganz wilden Fans" die wichtigste Single exklusiv und etwas teurer nur online verkaufen. Danach komme die CD-Single, dann die Dual-Disc, bis zur Billigversion, erklärt der Sony-Manager.
Auch gegenüber Apples Musikshop iTunes wolle man "flexible Preise, angefangen von 79 Cent bis zu 1,29 oder 1,49 Euro durchsetzen"
"Und wenn Apple-Chef Steve Jobs sagt, wir seien gierig, ist das Quatsch. Er kann die Preise nicht diktieren", so Steinkamp weiter zur "Welt". Daher sei iTunes in Australien auch ohne Sony BMG gestartet.
Jobs weist "gierige" Musikindustrie zurück
